Buchempfehlungen


Flucht, Vertreibung, Mahnung von Erika SteinbachPosener mundartliches Wörterbuch
von Harri Petras

Kennen Sie einen Pattenlechter? Zumindest im Bereich um Tirschtiegel kannte man das Wort und auch im Kreis Wollstein.
Bestimmt haben es auch Menschen in anderen Dörfern in unserer Region im täglichen Leben gebraucht. Aber ein Pattenlechter als Weihnachtsgeschenk?
Ich hörte das Wort von meiner Mutter, gebürtig aus Brückenhauland im Kreis Wollstein. Für sie war ein Schälmesser (kleines Küchenmesser) eben ein Pattenlechter. Wahrscheinlich war dieses Wort von vielen Wörtern in der Umgangssprache unserer Vorfahren in der Familie meiner Mutter (geboren 1909) übriggeblieben – übriggeblieben von den Wörtern holländischen Ursprungs.
In Holland heißen die Frösche/Kröten heute noch „Patten“, und „lechten“ bedeutete in der alten Heimat wohl „kastrieren“. Ein Pattenlechter war also ein sehr scharfes Messer. – Oder war es eher ein „altes stumpfes Taschenmesser“, wie Hellmut Grunwald berichtet? Hellmut Grunwald aus Schierzig-Hauland bei Tirschtiegel unterstützt sogar meine These, daß versteckt im Wortschatz der heimatlichen Mundart – neben fränkischen und polnischen Sprachwurzeln –, auch solche aus dem Holländischen zu finden sind.

Er schreibt in seiner Abhandlung: „Maij’s = die Mädchen (holländisch ,Maisjes’)“. Meine Mutter sprach stets von den Maichs. Und wegen seiner Ausarbeitung „Die Mundart in und um Tirschtiegel“ schreibe ich – Mitglied im Heimatkreis Wollstein – Ihnen heute diesen Artikel. Für mich war es ein Glücksfall, daß ich die Ausarbeitung von Hellmut Grunwald bekam, zeigte sie mir doch, daß unsere heimatliche Mundart wohl im gesamten Gebiet zwischen den Kreisen Meseritz, Neutomischl, Wollstein und Grünberg (mit lokalen Abwandlungen) gesprochen wurde.
Der schlesische Einfluß war ebenso unverkennbar. Sprache kennt eben keine künstlich oder historisch gewachsenen Grenzen, Sprache ist Verständigungs“werkzeug“ der Menschen über Grenzen hinaus. Noch größeren Anteil am schriftlichen Erhalt der Muttersprache unserer Vorfahren hat aber Emma Neumann, die bekanntlich aus Schmarse stammte, mit ihren Veröffentlichungen.

In dem von mir zusammengestellten „Posener mundartlichen Wörterbuch“ wimmelt es nur so von ihren schon in den 1920er-Jahren aufgeschriebenen mundartlichen Wörtern. Da es aber oft lokale und regionale Abwandlungen eines Wortes gab, nahm ich mir vor Jahren vor, all diese Wörter einmal aufzuschreiben. Mit wenigen Seiten in den „Wollsteiner Aufsätzen“ fing es an und endete schließlich in einem DIN-A4 großen Buch in recht großen Buchstaben (für die ältere Generation) gedruckt mit 360 Seiten.

Gott sei Dank gab und gibt es Horst Eckert, Vorsitzender des Heimatkreises Wollstein mit Sitz in Bad Bevensen. Er erkannte den kulturhistorischen Wert dieser Sammlung, suchte Sponsoren für den Druck und gewann in diesem Zusammenhang die Zustimmung hoher ministerieller Stellen.
Das „Posener mundartliche Wörterbuch“ ist nicht nur ein Aufbewahrungsbuch für die heimatliche Sprache sondern auch ein wunderbares Lesebuch.


Zu beziehen über:
Horst Eckert
Am Pathsberg 23
29549 Bad Bevensen, Tel.: (05821) 76 66
Preis: 25,- Euro





Flucht, Vertreibung, Mahnung von Erika SteinbachFlucht, Vertreibung, Mahnung
von Erika Steinbach

»Die Brücken zwischen unseren europäischen Völkern sind umso tragfähiger, je offener der Dialog geführt wird. Es ist gut, wenn Netzwerke und Einrichtungen in vielen europäischen Ländern geschaffen werden, die sich der gesamten Geschichte stellen. Ganz im Geiste des großen Polen Jan Józef Lipski, der mahnte: ›Wir müssen uns alles sagen‹.« (Erika Steinbach)

Das Schicksal der Heimatvertriebenen bewegt auch noch 70 Jahre nach Kriegsende die deutsche Gesellschaft. Erika Steinbach zeigt in ihrem Buch „Flucht, Vertreibung, Mahnung“ auf, wie diese Menschenrechtskatastrophe dauerhaft die Identität der Deutschen berührt und macht gleichzeitig die europäische Dimension und Bedeutung beeindruckend anschaulich. Denn nur durch das Anerkennen der gemeinsamen Vergangenheit kann es auf Dauer ein friedliches Europa geben. Flucht und Vertreibung sind Themen, die die langjährige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und Bundestagsabgeordnete aus ganz persönlicher Erfahrung kennt. Auch Erika Steinbachs Familie gehörte zu den fast 15 Millionen Menschen, die den Wahnsinn des Dritten Reichs mit dem Verlust ihrer Heimat bezahlen mußten. Ihrer Mutter gelang es buchstäblich in letzter Minute, sich mit ihren beiden kleinen Töchtern Erika und Ursula in den »sicheren« Westen zu retten. Mit ihrem langjährigen Engagement für die Anerkennung der deutschen Vertriebenen ist Erika Steinbach eine wichtige Stimme in aktuellen gesellschaftlichen Debatten.

Mit einem Geleitwort von Norbert Lammert.

Fester Einband, 256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
ISBN 9783776627800
Verlag : Herbig, FA





Der Bollerwagen und andere Geschichten von Olaf IhlauDer Bollerwagen und andere Geschichten
von Olaf Ihlau

Der Autor und langjährige SPIEGEL-Ressortleiter Olaf Ihlau wurde 1942 im damaligen ostpreußischen Königsberg geboren. Als er mit seiner Mutter im November 1944 wie viele Deutsche auf die Flucht geht, ist er noch ein Kleinkind von zweieinhalb Jahren. An Königsberg hat er kaum noch Erinnerungen, doch an einige Erlebnisse der dramatischen Flucht kann er sich noch klar erinnern, andere hat er in Familiengesprächen aufgeschnappt.

Nach siebzig Jahren hat nun Ihlau diese Erinnerungen niedergeschrieben. Im Mittelpunkt steht ein Bollerwagen, den der Großvater nach einem alliierten Bombenangriff im August 1944 noch retten konnte. Das solide Gefährt wird nicht nur zum Synonym für die Flucht, sondern ist auch später wichtiger Helfer in der Nachkriegszeit.
Zunächst geht es mit dem Zug (die Reichsbahn erlaubt die Mitnahme des Bollerwagens) ins Riesengebirge (Sudetengau). Hier erleben sie den Zusammenbruch des Reiches und das Ende des Krieges. Doch Ende 1945 kommt es in Niederschlesien zur Vertreibung der Deutschen. Wieder geht es mit den Bollerwagen (diesmal zu Fuß) in Richtung Westen. Über Berlin und Hannover gelangen Mutter und Sohn schließlich in den oberbayerischen Chiemgau, wo die Familie wieder zusammenfindet. Hier ist der Bollerwagen bei Hamstertouren oder Brennholzbeschaffung ebenso unentbehrlich wie beim späteren Hausbau in der Nähe von Köln.

Bis heute hat sich der Autor nicht von diesem Familienstück getrennt. So hat Ihlau ihn im Jeep mit nach Ibiza genommen, wo er heute größtenteils lebt.
Neben den Erinnerungen beleuchtet der Autor auch die wechselvolle Vergangenheit Königsbergs (heute Kaliningrad) und die deutsche Geschichte der letzten
siebzig Jahre.

Erschienen bei SIEDLER
ISBN 978-3-8275-0050-2
16,99 Euro





Verlorene Heimat Auch nach 70 Jahren unvergessen von Barbara Weber (Herausgeber, Autor), Alfred Miebs (Autor), Johanna Forth (Autor), Heinz Ulm (Autor) Verlorene Heimat
Auch nach 70 Jahren unvergessen
von Barbara Weber (Herausgeber, Autor), Alfred Miebs (Autor), Johanna Forth (Autor), Heinz Ulm (Autor)


Wir empfehlen zum Gedenkjahr an Flucht und Vertreibung 2015 allen Heimatfreunden herzlich diese Buch.


Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Westfälische Reihe (29. Juli 2015)
ISBN-13: 978-3956273797

Zu beziehen über:
Babara Weber Hachstiege 37
48565 Steinfurt Tel.: (02551) 33 11
E-Mail: verloreneheimat@web.de
Preis bei Versand: 20,50 Euro





Polens Wilder Westen – Erzwungene Migration und die kulturelle Aneignung des Oderraums 1945 - 1948  von Beata Halicka Polens Wilder Westen
Erzwungene Migration und die kulturelle Aneignung des Oderraums 1945 - 1948
von Beata Halicka


Die Übernahme der deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Grenze durch Polen war ein schwieriger Prozess der Neubesiedlung und Inbesitznahme einer vom Krieg stark zerstörten Region. Die Wendung „Polens Wilder Westen“ stand damals für das herrschende Chaos und das im Oderraum geltende „Recht des Stärkeren“.
Das Zusammenkommen von polnischen Zwangsarbeitern, Neusiedlern und Vertriebenen aus anderen Teilen Polens mit deutschen Einwohnern und Flüchtlingen erzwang eine vorübergehende Begegnung von Deutschen, Polen und Angehörigen der Sowjetarmee. Deren Zusammenleben auf oft engem Raum war kompliziert.

Doch in diesem östlichen „Wilden Westen“ gab es auch neue Freiheiten und Möglichkeiten, etwas von Grund auf Neues zu schaffen. Jenseits der bislang dominierenden Meistererzählungen – dem deutschen Vertriebenendiskurs und der polnischen Rede von den „Wiedergewonnenen Gebieten“ – schilderte Beata Halicka die Geschichte vom Untergang einer alten und der Bildung einer neuen Grenzlandschaft – facettenreich und mit großer Anschaulichkeit aus der Sicht zahlreicher Betroffener.

Verlag Ferdinand Schönigh,
1. Aufl. 2013, 393 Seiten,
ISBN 978-3-506-77695-22
29,90 Euro



Meseritz und das Meseritzer Land - Skizzen der Vergangenheit von Andrzej Kirmiel

Meseritz und das Meseritzer Land
Skizzen der Vergangenheit
von Andrzej Kirmiel


„Meseritz und das Meseritzer Land. Skizzen der Vergangenheit“ ist ein Buch, das auf einfache und komprimierte Weise die Geschichte der Stadt und der Region darstellen soll.

Es hat einen populärwissenschaftlichen Charakter und umfaßt den Zeitraum vom frühen Mittelalter bis 1945. Die Beschreibung aller Geschehnisse, die sich während der letzten 1000 Jahre im Meseritzer Land ereigneten, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, daher betont der Verfasser eher die wichtigsten sozialhistorischen Prozesse und erklärt sie anhand markanter Beispiele.

Das Buch ist chronologisch verfaßt und in fünf Teile gegliedert, die wiederum in thematische Kapitel unterteilt sind:

In der Einleitung werden die Naturverhältnisse und die geologische Struktur beschrieben, sowie der Begriff des Meseritzer Landes präzisiert.

Im zweiten Teil,der sich mit dem Mittelalter beschäftigt, werden die Geschichte des ersten Benediktinerklosters auf polnischem Gebiet sowie die Rolle beschrieben, die Kaiser Otto III. und König Boleslaus der Tapfere bei seiner Gründung spielten. Nachfolgend wird auf die besondere Rolle der deutschen Ansiedlung auf dem Gebiet der Meseritzer Kastellanei eingegangen. Dabei werden Entstehung und Tätigkeit zweier deutscher Zisterzienserklöster in Paradies und Blesen berücksichtigt, sowie deren Rolle im Besiedlungsverfahren der beschriebenen Region. Am Beispiel von Meseritz, Schwerin (Warthe) und Betsche wird der Prozess der Umwandlung altpolnischer Siedlungen in Städte, die nach dem Magdeburger Recht gegründet wurden, erörtert. Am Beispiel von Brätz kann man die Neugründung einer Stadt, die durch deutsche Siedler im 15. Jahrhundert erfolgte, verfolgen. Dieser Teil des Buches erwähnt auch die sich zu dieser Zeit gerade etablierenden Volksverhältnisse und den Einfluß der deutschen Ansiedlung auf den Zivilisationswandel im Meseritzer Land.

Der dritte Teil ist der Neuzeit gewidmet. Hier beschreibt der Verfasser damalige Wirtschaftsverhältnisse und soziokulturelle Ereignisse. Die wichtigsten – Reformation und Gegenreformation – betrafen das Meseritzer Land in der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert und prägten besonders die Glaubensverhältnisse der Bevölkerung. In diesem Teil werden auch der landwirtschaftliche Wandel, die gesellschaftliche Stellung des Bürgertums und die Ansiedlung von „Hauländern“ im Warthetal beschrieben. Die Entstehung der Neustadt in Tirschtiegel stellt bildlich die sog. zweite deutsche Ansiedlungswelle dar, deren Höhepunkt die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) war. Im Folgenden wird die jüdische Bevölkerung beschrieben, die die Gebiete der Meseritzer Starostei in großer Zahl bewohnte. Hierbei werden speziell die Konflikte mit der christlichen Bevölkerung, sowie die Rolle der Juden im wirtschaftlichen Leben, insbesondere im Handel, berücksichtigt. Ein großes Kapitel ist dem Adel gewidmet. Es werden das Eintreffen des deutschen Adels im westlichen Großpolen, Verbindungen mit dem polnischen Adel, gegenseitige kulturelle Wirkung, sowie politische Bedeutung und der Alltag der Adligen analysiert. In diesem Teil des Buches werden auch die Entwicklung und die Rechtsform von Meseritz erörtert, insbesondere die wichtigsten Aspekte der Stadtverwaltung, ihr Verhältnis zu dem Starosten und die religiösen Auseinandersetzungen der Bürger.

Der vierten Teil umfaßt die Zeit von der zweiten Teilung Polens (1793) und somit dem Beginn der preußischen Herrschaft im Meseritzer Land bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914). Anhand der damals entstandenen Dokumente, wie „Indaganda“ und „Allgemeine Geographische Ephemeriden“, werden Demografie und Wirtschaft des damaligen Kreises Meseritz analysiert. Es werden auch die wichtigsten politischen Ereignisse dargestellt, unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-polnischen Beziehungen. Der Verfasser beschäftigt sich insbesondere mit den Volks- und Glaubensverhältnissen im Meseritzer Land. Er benutzt hierbei Statistiken, beschreibt aber auch Lebensgeschichten einzelner Personen. Es wird auch möglichst objektiv auf die Begriffe wie Ostflucht, Landflucht, Migration der polnischen Bevölkerung aus dem Osten und Germanisierungsprozesse eingegangen. Ein Kapitel beschäftigt sich mit Johann Jacob Volmer und dem wichtigsten Wirtschaftszweig der Region – der Tuchmacherei. Die besondere Rolle Volmers als Geschäftsmann und Kaufmann, sowie seine Wohltätigkeit und sein gesellschaftliches Engagement sichern ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte der Stadt. Die übrigen Kapitel in diesem Teil befassen sich mit den wichtigsten Aspekten des Lebens in Meseritz im 19. Jahrhundert, insbesondere mit seiner räumlichen, demografischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung.

Der fünfte Teil beschäftigt sich mit der Zeit des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden Bildung der Grenze mit Polen, über die Nazizeit, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung der Deutschen, die diese Gebiete über 700 Jahre lang bewohnt hatten. Ein kleines Kapitel wird Obergörzig und einem Brief gewidmet, der 1923 in der Kirchturmkugel versteckt wurde. Dieser richtet sich an die Nachkommen und dokumentiert die Zeit der großen Inflation in Deutschland und beschreibt damit beispielhaft Probleme, mit denen die damaligen Bewohner zu kämpfen hatten. Die Beschreibung der tausendjährigen Geschichte der Region endet mit dem Nachwort, wo kurz auf die wichtigsten Ereignisse in den deutsch-polnischen Beziehungen nach 1945 eingegangen wird. Im Nachwort beschreibt der Verfasser ebenso das gegenwärtige deutsch-polnische Verhältnis in der Region und die Perspektiven seiner zukünftigen Entwicklung.

Das Buch wird von einem wissenschaftlichen Apparat in Form von Fußnoten, Verzeichnissen und Quellennachweisen begleitet, der eine bessere Orientierung in der vorhandenen Literatur und dem Thema ermöglicht. Um dem Leser das Meseritz der Vorkriegszeit näher zu bringen, wurde im Anhang der Beitrag des Meseritzer Bürgermeisters Hart „Meseritz im Jahre 1030. Ein Spaziergang durch die Stadt“ beigefügt. Eine bildliche Beschreibung der Stadt sowie zahlreiche Karten und Bilder sollen dem Leser die Lektüre des Buches angenehmer gestalten und ihm helfen, den Geist und die Atmosphäre der vergangenen Zeit zu erfassen.

Das Buch erscheint zunächst nur in polnischer Sprache und ist über den Autor Andrzej Kirmiel im Muzeum Miedzyrzecz zu beziehen oder während des Heimattreffens in Perleberg am 16. Mai 2015 im Neuen Hennings Hof zum Preis von 10,- Euro.





Politzig 1945 – blutige Falle
Berichte gesammelt von Andrzej Chmielewski,
ins Deutsche übertragen von Helmut Kahl


... und Sturm, brich los...” war das Ende der Sportpalast-Rede von Josef Goebbels am 18.12.1943.
Der Sturm brach auch tatsächlich los, aber anders als von Goebbels beschworen tobte er knapp 2 Jahre später nicht von West nach Ost sondern in die Gegenrichtung.
Die volle Wucht dieses Sturms traf unseren Heimatraum ab dem 26.1.1945, als die Rote Armee die letzten Reste deutschen Widerstands vor der Oder überrollte. Sowjetische Vorausabteilungen hatten an den von 1920 bis 1939 existierenden Übergängen an der polnisch-deutschen Grenze Schilder mit der Aufschrift „Hier beginnt das verfluchte Deutschland“ errichtet, was einem Freibrief für unsäglichen Terror gleichkam. Tod und Vernichtung der nicht rechtzeitig geflohenen Deutschen beherrschten unseren Heimatraum über Wochen. Darüber, was aus deutschen Quellen über diese schreckliche Zeit zu berichten war, sind wir Heimatfreunde hinreichend informiert.

Der polnische Regionalist Andrzej Chmielewski hat mit unendlicher Mühe in den letzten Jahren Berichte solcher Menschen über diesen Zeitraum gesammelt und jetzt in einem Band mit dem Titel Politzig 1945 – blutige Falle zusammengefaßt, die als Polen bzw. sich dem Polentum zurechnende Menschen eine Befreiung durch die Rote Armee erwartet hatten. Diese Autochthonen bildeten einen nicht unbedeutenden Teil der Einwohner von Orten wie Betsche, Gross Dammer, Scharzig und Stalun und hätten es begrüsst, wenn ihre Heimatorte 1920 zu Polen gekommen wären. Zu Wort kamen aber auch in unserer Heimat eingesetzte polnische Zwangsarbeiter.
Diese Gruppe von Menschen mußte mit großer Bestürzung erleben, daß die Russen mit ihr kaum anders verfuhren als mit den zurückgebliebenen Deutschen. Aber auch durch die bald eingesetzte polnische kommunistische Verwaltung erfuhren die Autochthonen eine nachgerade perfide Behandlung, wurde doch ihre Loyalität zum Polentum, für die sie in der Nazizeit Verfolgungen ausgesetzt waren, massiv in Zweifel gezogen. Viele wurden als „Germanen“ beschimpft, mußten sich eine demütigende Überprüfungsprozedur gefallen lassen und wurden im Sommer 1945 ebenso vertrieben wie die Deutschen.
Heimatfreund Helmut Kahl kommt das Verdienst zu, die sehr lesenswerte und verdienstvolle Publikation von A. Chmielewski in einer deutschen Fassung herausgebracht zu haben und man kann es über ihn beziehen. Dem Werk ist weite Verbreitung zu wünschen. (Leonhard v. Kalckreuth)

Zu beziehen über:
Helmut Kahl,
Sophiengrund 17,
19348 Perleberg,
Tel.+Fax: (03876) 30 19 42





Bio Leonhard Tietz - Nils Busch-PetersenLeonhard Tietz
von Nils Busch-Petersen


Am 14. August 1879 legt der aus Birnbaum stammende Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund auf gerade einmal 25 Quadratmetern den Grundstein zu einem Warenhauskonzern, der bis heute unter dem Namen Galeria Kaufhof allen Krisen getrotzt hat.
Tietz Erfolgsrezept kommt einer Revolution im Einzelhandel gleich: feste Preise, Barzahlung, konkurrenzlose Tiefpreise und Umtauschrecht. Der Kunde ist begeistert und Tietz muß seinen Laden bald vergrößern.
Leonhards Bruder Oscar betreibt Mitte der 1880er Jahre bereits gleichartige Handelsgeschäfte in Thüringen und Bayern. Mit dem namensgebenden Onkel legt er dort den Grundstein zum späteren Hermann Tietz-Konzern. Leonhard Tietz wählt das Rheinland für seine Geschäftsexpansion aus.
Er beginnt 1889 in der Industrie-Boomstadt Elberfeld und wagt 1891 den Sprung in die Großstadt Köln. Später folgen luxuriöse Konsumtempel wie an der Düsseldorfer Königsallee und der Kölner Hohe Straße, auch heute Landmarken der deutschen Handelskultur. 1914 hinterläßt er einen Konzern mit 5.000 Angestellten und etwa 25 Häusern und Niederlassungen in ganz Europa. Seine Söhne Alfred Leonhard und Gerhardt werden 1934 von den Nazionalsozialisten ins Exil gezwungen. Die Firma Leonhard Tietz wird »arisiert« und firmiert fortan als Kaufhof AG.

Verlag Heinrich und Heinrich,
Centrum Judaicum
87 Seiten, 8,90 €
ISBN 978-3-941450-17-2





Die Schlafwandler: Wie Europa  in den Ersten Weltkrieg zog - Christopher Clark Die Schlafwandler: Wie Europa
in den Ersten Weltkrieg zog.
Christopher Clark


Das Buch stellt ausgehend von der Situation auf dem Balkan die Konflikte und Bündniskonstellationen dar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die europäische Politik bestimmten. Der Inhalt gliedert sich in drei Teile mit einer vorangehenden allgemeinen Einleitung:
· Teil eins beschreibt die lokalen Ereignisse und Konstellationen auf dem Balkan bis zum tödlichen Attentat von Sarajevo (Clark beginnt also nicht mit den Ereignissen des 28. Juni 1914, sondern mit der langen Vorgeschichte des Attentats seit dem Königsmord in Belgrad im Jahre 1903);
· Teil zwei widmet sich der Innen-, Außen-, Sicherheitsund Bündnispolitik der europäischen Großmächte von 1887 bis 1914. Insbesondere geht Clark darauf ein, wie sich in Europa zwei Bündnisblöcke bildeten und welche Ziele bzw. „ziellose Interessen“ die einzelnen „großen Akteure“ (Minister und Diplomaten der Großmächte) wie auch das Personal der „kleineren Akteure“ verfolgten;
· Teil drei beginnt mit dem Attentat von Sarajevo und behandelt anschließend die Ereignisse der Julikrise 1914 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Der australische Historiker Christioh Clark hebt die außerordentliche Komplexität der Krise hervor, die u.a. durch die vielschichtigen und teilweise intransparenten Einscheidungsprozesse der involvierten Mächte zurückzuführen ist. Clark lehnt es ab, einen Schuldigen zu benennen: „In dieser Geschichte gibt es keine Tatwaffe als unwiderlegbaren Beweis, oder genauer: Es gibt sie in der Hand jedes einzelnen wichtigen Akteurs. So gesehen war der Kriegsausbruch eine Tragödie, kein Verbrechen.“ (S. 716)
Insofern ist der Ausbruch des Krieges vielmehr die Folge in einer Kette von Entscheidungen verschiedener Akteure, die keinesfalls unausweichlich waren. Gleichzeitig warnt der Autor, daß ähnliche Eskalationen auch in heutigen Krisen denkbar sind.
Der Titel des Buches, „Die Schlafwandler“, entspricht dieser Interpretation: Gemeint sind Akteure, die mit nachtwandlerischer Sicherheit lange auf einem Seil über einem Abgrund balancieren, bis die Balance jäh zusammenbricht.

Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog.
Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz.
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013,
885 Seiten, 39,99 €,
ISBN 978-3-421-04359-7 (Info: Wikipedia)



Bio Oscar Tietz - Nils Busch-PetersenOscar Tietz
von Nils Busch-Petersen


Eine kleine Oscar Tietz-Biographie: vom Kleinhändler zum Kaufhauskönig.
In dem Büchlein erzählt der Autor Nils Busch-Petersen sehr lebhaft von der Geburt und der Kindheit Oscars in Brinbaum bis zum größten europäischen Warenhauskonzern (HERTIE) und dem Lebensende1858.
Das Buch dürfte besonders unsere Birnbaumer Heimatfreunde interessieren.

Verlag Heinrich und Heinrich,
Centrum Judaicum
63 Seiten, 6,90 €
ISBN 978 - 3- 942271- 98- 1





Die Belasteten - Götz AlyDie Belasteten
von Götz Aly


200 000 Deutsche wurden zwischen 1939 und 1945 ermordet, weil sie psychisch krank waren, als auffällig, erblich belastet oder einfach verrückt galten. Nicht wenige Angehörige nahmen den Mord an ihren behinderten Kindern, Geschwistern, Vätern und Müttern als Befreiung von einer Last stillschweigend hin. Die meisten Familien schämen sich bis heute, die Namen der Opfer zu nennen. Beklemmend aktuell lesen sich die Rechtfertigungen der vielen Beteiligten: Erlösung, Gnadentod, Lebensunterbrechung, Sterbehilfe oder Euthanasie.
Götz Aly bringt mit seinem neuen Buch Licht in ein düsteres Kapitel der deutschen Gesellschaftsgeschichte. Wir Meseritzer hatten mit Obrawalde einen der Tötungsorte, die in dem Buch erwähnt werden, in unmittelbarer Nachbarschaft.

352 Seiten, gebunden,
S. Fischer Verlag,
Preis: 19,99 €
ISBN 978-3-10-402043-0





Die Russen kamen auch ins Paradies von Gerhard KaldekDeutsch-Polnische Erinnerungsorte
Band 3: Parallelen
Hahn/Traba (Hrsg.)


Wann, wo, wie und warum spielte der Bezug auf Deutschland und die deutsche Kultur eine Rolle in der Erinnerungskultur in Polen? Und umgekehrt: Wann, wo, wie und warum spielte der Bezug auf Polen und die polnische Kultur eine Rolle in der Erinnerungskultur in Deutschland? Das Buch ist als wissenschaftliches Nachschlagewerk konzipiert, daß „deutschpolnische Paare“ z. B. Rhein und Weichsel, Goethe und Mickiewicz miteinander vergleicht.

Es gelingt dabei weitgehend deutsche und polnische Befindlichkeiten aufzuzeigen. Ferner versucht das Buch deutlich zu machen, daß wir ohne die Kenntnisse der Geschichte unseres Nachbarn die eigene, deutsche bzw. polnische, nur unvollkommen verstehen.

Deutsch-Polnische Erinnerungsorte
Band 3: Parallelen
Verlag Ferdinand Schöningh 2012
490 Seiten, 42 Abb., Festeinband
ISBN: 978-3-506-77341-8
EUR 58.00



Die Russen kamen auch ins Paradies von Gerhard KaldekDie Russen kamen auch ins Paradies
Gerhard Kaldek


Der 1930 geborene Gerhard Kaldek aus Jordan hat einen an „Totentanz im Oderland“ (s. u.) anknüpfenden, erschütternden Erlebnisbericht vorgelegt.
Seine Erinnerungen beginnen in der noch „heilen“ Welt des Jahres 1944 und enthalten empfindsame Naturbeobachtungen, Hinweise auf erste Regungen einer ganz unschuldigen Liebe zu einem Mädchen aus Schwiebus sowie Erfahrungen als Ministrant in der Jordaner St. Anna-Kirche. Mit dem Januar 1945 bricht die volle Wucht des Krieges auf die Familie ein. Es grenzt an ein Wunder, wie sie alle Fährnisse der damaligen Zeit zwar nicht unbeschadet, aber dank rettendem Instinkt und einer guten Portion Kaltschnäuzigkeit lebend bis zum erzwungenen Exodus am 29. Juni 1945 überstanden hat.
Geschildert wird auch das mühsame, teilweise erniedrigende, Einfinden zunächst in Berlin, später am endgültigen neuen Wohnort der Familie in Niedersachsen. Der Verfasser schreibt einen frischen, unbekümmerten Stil, der Emotionen viel Raum läßt. Mit eigenen Zeichnungen angereichert, ist das Buch als Lektüre für alle geeignet, die sich die Dramatik der Jahre von 1944 bis 1948 noch einmal vor Augen führen wollen, aber auch als Mahnung für nachfolgende Generationen.

Verlag DeBehr, Radeberg, 2011,
488 Seiten broschiert,
15,95 Euro, ISBN 978-3939241591



Die Deutschen im Osten Europas –
Annette Grossbongardt, Uwe Klussmann und
Norbert F. Pötzln

Zwischen Eroberung und Vertreibung – die Geschichte der Deutschen im Osten EuropasDie Deutschen im Osten Europas –
Annette Grossbongardt, Uwe Klussmann und
Norbert F. Pötzln


Zwischen Eroberung und Vertreibung – die Geschichte der Deutschen im Osten Europas
Seit dem Mittelalter strömten deutsche Siedler in die Provinzen zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, um hier Land zu bewirtschaften, Handel zu treiben oder als Beamte zu dienen, häufig auf Einladung der dortigen Herrscher. Die Deutschen im Osten Europas waren Teil einer gezielten Expansion und Kolonisation, welche die Deutschordensritter auch mit Gewalt durchsetzten. Jahrhundertelang lebten so Deutsche neben Polen, Ungarn, Tschechen, Letten und Russen, häufig als Siedler „deutschen Rechts“. Erst durch den anschwellenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts gerieten die Deutschen und ihre osteuropäischen Nachbarn in das Fahrwasser ethnischer Konflikte, die in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, in Flucht und Vertreibung mündeten.

In Reportagen, Porträts und Überblicksdarstellungen betrachten SPIEGEL-Autoren und Historiker die gesamte Geschichte deutscher Existenz in Europas Osten – und schreiben so die Chronik einer schwierigen Vergangenheit.

Ein SPIEGEL-Buch im Verlag DVA Sachbuch,
gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
304 Seiten mit Abbildungen,
19,99 Euro, ISBN 978-3-421-04527-0



Überall Heimat und Fremde – Texte und Kontexte
Norbert Tarsten

Norbert Tarsten aus Köln/ Meseritz hat nach „Jenseits des Oderlaufs – Landschaften prägen Alltags- und Festgestaltung“, ein weiteres Buch herausgegeben.

Anmerkungen zur Entstehung des o.g. Buches: „Über Jahrhunderte waren Menschen auf der Suche nach Heimat. In der Ferne eine Heimat zu finden, galt für viele als Erfüllung einer Sehnsucht. „Die Fremde ist überall da. Auch die Fremden sind immer schon da.” Dies meinte einst die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. „Die Heimat bedeutet doch, von Zeit zu Zeit Rührung zu haben, nach dem Motto: Hier lebe ich, hier ist meine Heimat… Ohne Heimat sein, heißt leiden.“ – meinte der russische Schriftsteller Fjodor M. Dostojewski. Heimat wird in der globalisierten Welt gewissermaßen entterritorialisiert, denn wo man lebt, kann man nicht immer bleiben. Gibt es ein Recht auf Heimat? Viele Erfahrungen haben Menschen insbesondere im 20. Jahrhundert gemacht. Wer sich als Fremdling vorkam, fand nicht selten erst in seiner beruflichen Betätigung eine neue Heimat. Heimat, ein sehr individueller und emotionaler Begriff, der von jedem Menschen selbst bestimmt werden kann.
Die Fremde erschwert das Finden vieler vertrauter Entsprechungen.
N.S. Redaktion:
Auch Menschen können uns Heimat sein. Unsere Mutter, befragt, was ihr Heimat ist und bedeutet, antwortete mir ohne nachzudenken: „Da wo Ihr seid, da ist meine Heimat!“ Auf jeden Fall erwartet den Leser von Norbert Tarstens neuem Buch eine gute Auslese wunderbarer Gedichte. Der Band „Überall Heimat und Fremde – Texte und Kontexte“ spiegelt nicht nur eine Fixierung auf die zwei Schlüsselbegriffe in der deutschen Dichtung der Jahrhunderte wider, sondern zeigt auch die gegenwärtige Auseinandersetzung mit den Begriffen.

Zu beziehen im Buchhandel oder beim Autor:

Norbert Tarsten,
Frohnhofstr. 20,
50765 K ö l n, Telefax-Nr.: (0221) 59 03 79 5

ISBN Nr. 978-3-00-030465-1
443 Seiten, Preis 21,30 Euro.



SELTENE VOGELARTEN Ulrich RadomskiSELTENE VOGELARTEN
Ulrich Radomski


Heimatfreund Ulrich Radomski, ein Hobby-Ornithologe, hat seine zwei Jahrzehnte langen Erfahrungen als Vorsitzender des Landesseltenheitsausschußes Schleswig-Holstein / Hamburg in einem Buch von 300 Seiten zusammengefaßt. Das Buch ist als Band 6 in der Reihe „Vogelwelt Schleswig-Holsteins“ erschienen. In dem übersichtlich geordneten, hervorragend ausgestatteten und mit brillanten Fotos angereicherten Werk sind 186 seltene Vogelarten behandelt.
Es sind nicht die allbekannten, häufigen Vögel, sondern Arten, die in anderen Teilen der Welt beheimatet sind, die unser Gebiet nur ausnahmsweise besuchen oder hier in geringer Zahl brüten, also eben sogenannte Seltenheiten. Man muß schon ein erfahrener Ornithologe sein, um eine solche Seltenheit unter den Vögeln zu erken- nen und richtig zu bestimmen. Deshalb entscheidet auch über jede solche Beobachtung erst ein „Seltenheitsausschuss“, bevor sie anerkannt wird und veröffentlicht werden darf. Für uns Brandenburger und Posener ist interessant, daß es unter den in diesem Buch enthaltenen Arten auch einige gibt, die manchen von uns aus unserer Heimat bekannt sind. So gibt es von der Großtrappe, von der es um die Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland noch 4.000 Vögel gab, jetzt – und nur mit Hilfe von Nachzüchtungen in Brandenburg – noch etwa 100 Individuen. Oder der in Deutschland und Polen ausgestorbene Triel, von dem bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts ein regelmäßiger Rastplatz bei Meseritz- Obrawalde bekannt war. Und wer schon einmal einen Bussard oder Adler oder Falken gesehen hat, wird staunen, daß hier – außer den in Deutschland mehr oder weniger verbreiteten 17 Greifvögeln – noch 16 seltene Greifvogelarten vorkommen.
So ist das Buch ein informatives Nachschlagewerk, wenn man etwas über eine bestimmte seltene Vogelart wissen will. Auch wenn der Schwerpunkt des Buches auf Norddeutschland und den dort festgestellten seltenen Vogelarten liegt, so enthält es doch eine Fülle allgemeingültiger Informationen über Verbreitung, Bestand und Bestandsentwicklung, Brutvorkommen, Wanderungen und weitere Einzelheiten aus unserer vielfältigen, faszinierenden Vogelwelt (EIne Besprechung von Dr. Klaus Scheel).

Ulrich Radomski (2009):
Seltene Vogelarten in Schleswig-Holstein und Hamburg,
Reihe: Vogelwelt Schleswig-Holstein, Bd.6;
Wacholtz-Verlag Neumünster, 301 Seiten, Preis 30 Euro,
ISBN: 3529073067

Anfragen können auch unmittelbar gerichtet werden an:
Ulrich Radomski,
Großbeerenstraße 289 B, 14480 Potsdam,
Tel: (0331) 60 06 677, E-Mail: u.radomski@t-online.de



Birnbaumer und ihre Stadt - von Krystyna Szczepanska-HatzkeBirnbaumer und ihre Stadt
Krystyna Szczepanska-Hatzke
Eine Besprechung von
Dr. Martin Sprungala u. Leonhard v. Kalckreuth

Mit finanzieller Unterstützung der Stadtverwaltung von Birnbaum, dem heutigen Miedzychód, hat die in Düsseldorf lebende Polin Krystyna Szczepanska-Hatzke einen Bild- und Dokumentationsband über ihre Heimatstadt unter dem zweisprachigen Titel „Miedzychodzianie i ich miasto. Fotograficzne wspomnienia z pierwszej polowy XX w.“/ „Birnbaumer und ihre Stadt. Fotografischer Rückblick auf die erste Hälfte des 20. Jhs.“ herausgegeben.

Das Besondere an diesem Buch ist seine deutsch-polnische Zusammenarbeit. Das Ehepaar Hatzke lebt in Düsseldorf und suchte den Kontakt zum Heimatkreis Meseritz e. V. bzw. der Heimatkreisgemeinschaft Birnbaum, deren Vorsitzender, Leonhard v. Kalckreuth, zusammen mit Mechthild Schwarzenberger den deutschen Text überarbeitet und korrigiert hat. Die überaus zahlreichen alten Fotos hat Jakub Hatzke bearbeitet. Die Texte stammen weitgehend von polnischen Autoren, doch anders als in anderen geschichtlichen Büchern aus Polen kommen hier die Deutschen nicht nur vor, sondern sogar zu Wort. Erwähnenswert ist, daß einige Seiten eines unveröffentlichten Geschichts- und Familienwerks der Marie v. Kalckreuth, der Mutter von Leonhard v. Kalckreuth, mit abgedruckt worden sind.

Der Bild- und Textband beginnt mit einem Spaziergang durch Birnbaum (S. 8-45) und zitiert gleich im Anfang ein Gedicht des aus Lindenstadt, das heute ein Stadtteil von Birnbaum ist, stammenden Dichters Carl Busse (1872-1918). Auf den folgenden Seiten sind zur Linken alte Ansichtskarten von Birnbaum abgedruckt, auf der Rechten folgt dann zumeist eine Gegenüberstellung, wie es heute vor Ort aussieht. Vielfach bedauert der Betrachter, daß die oft hinreißend schönen Ansichten nicht in einem größeren Maßstab abgedruckt sind. Die Vermischung von Deutsch und Polnisch läßt einen aber darüber hinwegsehen. Unter den alten deutschen Postkarten steht nämlich nicht wie üblich nur der heutige polnische Straßenname, oftmals in einer grammatikalisch gebeugten Form, sondern der alte deutsche Name. Auf diese Weise kann sich der Ortskenner von früher genauso zurechtfinden wie der heutige Betrachter und die jetzigen Bewohner der Stadt erfahren, welche oftmals politischen Wandlungen die Straßennamen erfahren haben. Beeindruckend für ein polnisches Buch ist auch die ständige Gegenüberstellung des polnischen Textes mit dem deutschen. Der Kenner beider Sprachen kann so direkt vergleichen, ob etwas weggelassen oder gar verfremdet wurde. Damit haben die Herausgeberin und ihre Mitübersetzerin Urszula Kleinschwärzer sich einem sehr hohen Anspruch an die Qualität ihrer Arbeit ausgesetzt.
Ein weiteres wichtiges Merkmal dieses Buches ist seine Widmung der Menschen, die in Birnbaum/ Miedzychód gelebt haben (S. 46-102). Es ist ganz natürlich, daß die polnischen Bewohner der Stadt hier einen großen Anteil einnehmen, schließlich war Birnbaum eine Stadt, die auch in früheren Zeiten von sehr vielen Polen bewohnt wurde. Den Einstieg macht das Kapitel „National-Konfessionelle Beziehungen“. Darin wird nicht wie in so vielen anderen polnischen Büchern schweigend darüber hinweggegangen, daß hier seit dem Mittelalter Deutsche lebten und nur die ältesten Erwähnungen aufgeführt, sondern es wird klipp und klar genannt, daß die ersten bekannten Verwalter in Birnbaum deutsche Namen getragen haben (S.49). Auch der jüdische Anteil an der Bevölkerung wird erwähnt.
Auch in diesem Teil des Buches ist eine Vielzahl an Fotos abgebildet, die Birnbaumer Bewohner der verschiedenen Ethnien bei unterschiedlichen Anlässen zeigen. Auf diese Weise bekommt man einen guten Eindruck vom damaligen Leben in Birnbaum. So sitzen z. B. junge Polinnen vor einem Geschäft mit deutscher Beschriftung oder flanieren durch die Stadt, deren polnische Aushangschilder man lesen kann. Auch den Birnbaumer Persönlichkeiten besonderer Art, den „Originalen“ widmet sich dieses Buch, ebenso den Kindern und allen sportlich-kulturellen Aktivitäten. Ab Seite 68 kommen auch ehemalige und heutige Bewohner der Stadt zu Wort – natürlich auch hier Polen und Deutsche. Auch den Birnbaumer Gutsbesitzern (ab S. 89) sind einige Seiten gewidmet, so den Familien v. Unruh, v. Kalckreuth und v. Willich. Nach den Gebäuden und Menschen kommt folgerichtig die Natur, dargestellt in dem Kapitel „Vier Jahreszeiten in Birnbaum“ – versehen mit wunderbaren farbigen Bildern von heute und schwarz-weißen von früher. Auch hier wird das Buch seinem Thema und Anspruch gerecht und zeigt die Menschen, die Birnbaumer, bei ihren Aktivitäten zu den jeweiligen Jahreszeiten. Anschließend folgen die gesellschaftlichen Gruppen: „Stadt und Kreisverwaltung und andere Institutionen“, „Organe zum Schutz der Öffentlichen Ordnung und Sicherheit“, „Wirtschaft, Handwerk und Landwirtschaft“, „Kirchen“, „Schulwesen“, Vereine und Organisationen“ und „Kultur“. Naturgemäß dominieren hier die Polen, denn Birnbaum war seit 1920 Teil der 2. Polnischen Republik; dementsprechend waren die Behörden polnisch und ein großer Teil der deutschen Bevölkerung verließ die Stadt.

Trotz der Schwierigkeit, überhaupt noch Material über das deutsche kulturelle Leben zu finden, hat die Redaktion dieses Buches es geschafft, einige Fundstücke mit abzudrucken (z. B. die evangelische Kirche, S. 179 ff). In diesem Abschnitt stellen sich wiederum viele Bewohner vor, die erst nach 1920 nach Birnbaum gekommen sind. Auch das ist ein sehr interessanter Aspekt der Geschichte. Das Buch schließt (S. 222 ff) mit einem deutschpolnischen Namensverzeichnis der Städte, Plätze und Straßen und einer Literaturauswahl, die auch deutsche Arbeiten berücksichtigt. Das Buch „Birnbaumer und ihre Stadt“ ist sicherlich eine Bereicherung für jeden Bewohner und ehemaligen Bewohner, der mit der Stadt zu tun hatte, aber auch für jeden Heimatfreund.

Das Buch ist im Jahr 2008 in Birnbaum erschienen und kostet 25 Euro (+ 5 Euro Versandkosten). Es ist in Birnbaum in der Druckerei oder über die Buchhandlung erhältlich.

In Deutschland zu beziehen über:

Krystyna Szczepanska-Hatzke,
Hardtstr. 33, 40629 Düsseldorf,
E-Mail: k.s.hatzke@gmx.de
ISBN 978-83-927744-0-2



TRZCIEL STUDIA Z DZIEJÓW MIASTAS – Tirschtiegel Studien zur Geschichte der StadtTRZCIEL STUDIA Z DZIEJÓW MIASTAS –
Tirschtiegel
Studien zur Geschichte der Stadt

Marceli Tureczek hat unter der Mitwirkung einer Gruppe von 12 Autoren eine interessante Studie zur Geschichte von Tirschtiegel / Trzciel erstellt.

Die Studie wurde von Prof. Dr. Joachim Zdrenka rezensiert. Ihr Inhalt ist in folgende Themen untergliedert:
1. Geographie, Kulturlandschaft und Kunstdenkmäler der Stadt und Gemeinde Tirschtiegel
2. Vorgeschichte, archäologische Funde in Tirschtiegel und seiner Umgebung
3. Bedeutung und Veränderungen des Tirschtiegeler Wappens
4. Umriß der Stadtgeschichte:
• unter den poln. Königen und Magnaten im Mittelalter
• z.Zt. Napoleons
• die protestantische und katholische Gemeinde
• Schule und Hospital
• Namensliste der Bürgermeister von 1661 bis 1945
• Handwerkerzünfte und ihre Ordnungen (z.T. in Deutsch)
• Anna Luise Karsch
• Tirschtiegel von 1815 – 1939
• Tirschtiegel von 1939 – 1945 im Zweiten Weltkrieg
• Die jüdische Gemeinde
• Die Stadt Trzciel von 1945 – 1989
• Erinnerungen / Fragmente aus der Zeit danach
Das Buch umfaßt 206 Seiten. Bedauerlicherweise sind davon nur 19 Seiten in deutscher Sprache. Es handelt sich dabei um 18 Seiten ehemaliger Zunftordnungen. Am Ende des Buches befindet sich 1 Seite Zusammenfassung der Geschichte Tirschtiegels in Deutsch.

Zu beziehen über:
Biblioteka Publiczna
Miasta i Gminy Trzciel
ul. Poznanska 8
PL 66- 320 Trzciel
E-Mail: bptrzciel@neostrada.pl

ISBN 978-83-927127-0 -1
Der Preis ist uns nicht bekannt.



JENSEITS DES ODERLAUFS – Landschaften prägen Alltags- und Festgestaltungen v. Norbert TarstenJENSEITS DES ODERLAUFS –
Landschaften prägen Alltags- und Festgestaltungen
Norbert Tarsten


„Erika Kip (DOD) schreibt dazu: „Besseres kann kein Volk vererben, als der eigenen Väter Brauch. Wenn des Volkes Bräuche sterben, stirbt des Volkes Seele auch.“
Daß des Volkes Seele nicht stirbt, daß Bräuche nicht in Vergessenheit geraten, dafür haben die Vertriebenen selbst immer wieder Sorge getragen. Noch immer sind sie ihren alten Landschaften verhaftet, hört die Erinnerung nicht auf – gemäß Detlev von Liliencron, der einst dichtete: „Und was als Kind ich je erlebt, klingt wieder mir auf allen Wegen.“

Norbert Tarsten schrieb ein mit Literaturhinweisen und Fotos gespicktes, sehr sorgfältig gemachtes Buch, das Vielen der einst dort Wohnenden Freude bereiten wird. 282 Seiten über Feste im Weihnachtskreis, Heiligenfeste, Volksfeste, Arbeiten und Wohnen ... für jeden etwas. Viel Wissenswertes ist im Buch zusammengetragen: über Dorf- und Siedlungsformen, die Schwierigkeiten des Landlebens, den Artenreichtum der Pflanzen, die Besitzverhätnisse der Grundherren und Pächter usw. ...

Eigenverlag, zu beziehen über:
Norbert Tarsten,
Frohnhofstr. 20,
50765 K ö l n,
24,20 Euro




KALTE HEIMAT – Die Geschichte der deutschen VertriebenenKALTE HEIMAT –
Die Geschichte der deutschen Vertriebenen
Andreas Kossert


„Mit diesem Buch berichtigt Andreas Kossert die landläufige Vorstellung vieler Bürger von einer rundum geglückten Integration der Vertriebenen nach 1945.
Erstmals erhalten wir ein wirklichkeitsgetreues Bild von der Ankunft in der Bundesrepublik – dem Land, das ihnen zur neuen, kalten Heimat wurde. Wir erfahren von ihrem Kampf um den schwierigen Neuanfang und den Lebensumständen der Menschen im „Wirtschaftswunderland“.

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag,
432 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
40 s/w Abbildungen
ISBN-13 9783886808618
24,95 EUR




Susanne Bode: Die vergessene GenerationDIE VERGESSENE GENERATION –
Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen.
von Sabine Bode


„Und man konnte kein Brot wegwerfen!“
Sie haben den Bombenkrieg miterlebt oder die Vertreibung, ihre Väter waren im Feld, in Gefangenschaft oder waren gefallen. Doch diese Erinnerungen haben die Kriegskinder bislang in sich verschlossen gehalten. Statt dessen haben sie nach vorn geblickt, Deutschland wieder aufgebaut, eine Familie gegründet. Heute sind sie in Rente, die Kinder längst aus dem Haus, und zum ersten Mal im Leben schauen sie zurück.
Sie fangen an zu begreifen, daß vieles in ihrem Leben auf ihre Kriegserlebnisse zurückzuführen ist. Auch die Kinder und Enkel der Kriegskinder wollen nun verstehen, warum ihre Eltern so sind, wie sie sind. Ein wichtiges und notwendiges Buch.

Serie Piper 4403 – ISBN 978-3-492-24403-9 – 8,95 Euro




„Totentanz im Oderland – Erinnerungen und Dokumente“
Der Einmarsch der Roten Armee in Ostbrandenburg 1945
Werner H. Krause -
Eine Besprechung von Dr. Klaus Scheel

Totentanz im OderlandDer Publizist Werner Krause beschreibt in diesem Buch einen Zeitabschnitt der deutschen Geschichte, der vielen älteren Menschen unvergessen ist, die in Ostbrandenburg ihre Jugend verbracht haben. Der Titel des soeben erschienenen Buches spricht für sich. Es sind zwar schon zahlreiche Einzelberichte, Aufsätze, Dokumente über die furchtbaren Erlebnisse und Erfahrungen beim Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945 in Ostbrandenburg veröffentlicht worden – auch in unserem „Heimatgruß“– noch nie aber hat es eine so umfassende, prägnante, durch Dokumente, Zahlen, Bilder, Aussagen von Zeitzeugen überzeugend dokumentierte Zusammenstellung des grausamen Geschehens jener Monate in Ostbrandenburg gegeben. Im Vorwort definiert der Autor die Bezeichnungen Ostbrandenburg und Neumark. Es folgt eine genaue zahlenmäßige Bilanz der Flucht der Deutschen aus den östlichen Teilen des Deutschen Reiches oder ihren Siedlungsgebieten in Osteuropa. Die Statistik erfaßt die Deportation und Vertreibung mit ihren Folgen. Man erfährt, daß 2,8 Millionen Heimatvertriebene den Exodus nicht überlebt haben. In Ostbrandenburg fielen 250.000 Menschen grausamen Verbrechen der Rotarmisten an Frauen, Kindern und Männern zum Opfer – etwa ein Drittel der damaligen Gesamtbevölkerung dieser Region. Viele ältere Heimatfreunde werden sich noch an die Zeit von Dezember 1944 bis Februar1945 erinnern. Flüchtlinge kamen mit Zügen und Trecks aus Ost- und Westpreußen. Die sowjetische Großoffensive von der Weichsel im Januar 1945 überrollte nach wenigen Tagen viele Dörfer und Städte unserer Region bis zum Mittellauf der Oder. Wir lesen ein Buch der Anklage. Der Autor hat eine Vielzahl von Heimatfreunden befragt und deren ergreifende Berichte wiedergegeben. Er hat im Bundesarchiv Koblenz und im Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg i. Br. eingehend nachgeforscht und nennt Sachverhalte, Orte, Daten, Namen. Die Blutspur der Gewalttaten an den Deutschen führt über Posen, Landsberg/W., Hoffmannstal/ Rybojadel, Tirschtiegel, Kuschten, Meseritz, Sternberg, Schwiebus, Bomst, Königsberg/ Nm., Tamsel, Küstrin, Guben und viele andere Orte. Man liest eine detaillierte Schilderung des erschütternden Geschehens beim Einmarsch der Sowjets in die Städte und Dörfer, von den Erlebnissen in den Familien und Sippen, von der Kette der Massenvergewaltigungen von Frauen jeden Alters, selbst ganz junger Mädchen; von der Ermordung deutscher Zivilisten; von der Erschießung deutscher Soldaten, Offiziere und Volkssturmmänner, die sich kampflos den Rotarmisten ergeben hatten; sogar eigene russischen Landsleute, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, wurden von Rotarmisten erschossen. Alle diese Verbrechen sind durch Dokumente und Zeugenaussagen derer, die dabei waren, überzeugend und beweiskräftig belegt. Der Autor nennt in vielen Fällen auch die Namen der sowjetischen Kommandeure und ihre Truppenteile. Werner H. Krause hat sein Buch angereichert mit eingestreuten Abschnitten, die Rückblicke enthalten auf die Geschichte Ostbrandenburgs und das alte Preußen und Friedrich II., auf den Adel in der Neumark und bekannte Schlösser, ferner auf bedeutende Persönlichkeiten, die diese Region hervorgebracht hat. Eine wesentliche Verdeutlichung des Inhalts des Buches stellen die 67 kleinen, aber anschaulichen Fotos dar. Dieses Werk ist ein MUSS für jeden Heimatfreund, der in Ostbrandenburg geboren wurde oder dort gelebt hat und umfassend über das schreckliche Geschehen beim Einmarsch der Russen in seine Heimat informiert sein möchte. Es ist auch für jeden anderen zeithistorisch Interessierten eine wichtige Publikation zum Thema „Flucht und Vertreibung 1945“ in Ostbrandenburg. Man kann diesem erschütternden Buch nur eine große Verbreitung wünschen.


Werner H. Krause: Totentanz im Oderland – Erinnerung und Dokumente.
Druffel & Vowinckel-Verlag, Stegen am Ammersee, 2008,
396 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3-8061-1188-0

Zu diesem Buch eine Anmerkung:
von Leonhard v. Kalckreuth

„Totentanz im Oderland“ – ist ein Buch betitelt, in dem der Autor, Werner H. Krause, Zeitzeugenberichte über das Inferno, welches ab Ende Januar 1945 über unsere Heimat hereinbrach, zu einer eindrucksvollen Chronik des Grauens zusammengefaßt hat. Mit „Oderland“ ist die Neumark gemeint, zu der ab 1938 neben dem Kreis Schwerin/Warthe auch unser Heimatkreis gehörte. Dieser Teil Deutschlands, so ist dem Buch zu entnehmen, hatte von allen ehemals deutschen Ostgebieten den prozentual höchsten Blutzoll zu entrichten. Der Autor, der sich seit Jahrzehnten mit Zeitgeschichte befaßt, bringt die Exzesse der Roten Armee zu Recht mit den bekannten Haßtiraden des sowjetischen Schriftstellers Ilja Ehrenburg in Verbindung. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß auch auf diesen Zeitabschnitt zutrifft, daß nämlich, „wer Wind sät, Sturm erntet“. Ein etwas sorgfältigeres Recherchieren von Eigen- und Ortsnamen bzw. ein Korrekturlesen hätte dem Buch gutgetan.





Register für die gesammelten Heimatgrüße
Dr. Martin Sprungala

Bereits im November 1945 erschien der erste Meseritzer Rund-Brief, aus dem 1949 der Heimatgruß aller ehemaligen Meseritzer in den vier Besatzungszonen wurde.
Seither ist viel veröffentlicht worden und der Heimatgruß wurde immer besser, sowohl inhaltlich als auch vom Layout.
Bis zum Herbst 2007 sind 182 Ausgaben des vierteljährlich erscheinenden Heimatgrußes erfogt, dessen aktuelle Ausgaben zwischen 52 - 60 Seiten in DIN A4 umfassen. Auf Anregung von Dr. Sprungala wurde im vergangenen Jahr ein Register aller Heimatgrüße von ihm erstellt. Dieses Register enthält sowohl einige Angaben zur Geschichte des Heimatkreises und einiger Persönlichkeiten, deren Laudatio aus den Zeitschriften entnommen werden konnten, als auch sämtliche Inhaltsverzeichnisse, die der Autor in Kategorien wie »Aus dem Heimatkreis«, »Erzählung«, »Polen heute« oder »Aus der Geschichte« vorsortiert hat.
Zudem findet man ein Register der Autoren und ihrer Arbeiten, ein Register der Beiträge über die einzelnen Dörfer und Städte mit allen Beiträgen und auch Bildern. Wer etwas über einen bestimmten Ort im Kreisgebiet Meseritz sucht, kann hier nachschlagen und sehr schnell fündig werden.

Das broschierte Heft wurde in Herne bei der Martin-Opitz-Bibliothek erstellt und kann zum Preis von 18,– Euro über den Heimatkreis Meseritz bestellt werden:

Heimatkreis Meseritz e.V.,
Vorsitzender Leonhard v. Kalckreuth,
Lindenburger Allee 20,
50931 Köln




Geschichte der Deutschen in Polen 1939-1945

Eine Rezension von Dr. Martin Sprungala

Aus seinen langjährigen Forschungen hat Wilfried Gerke mit seinem Band „Beiträge der Deutschen in Polen während des Zweiten Weltkriegs 1939-1945“ ein wichtiges Werk vorgelegt. Aus seinem in Jahrzehnten erworbenen Fundus an Wissen, Quellenstudium und Erfahrungsberichten von Zeitzeugen untersucht Gerke kritisch die Rolle der Deutschen in Polen während der NS-Zeit. Sehr differenziert zeigt er auf, daß es keine einheitliche Haltung zum Regime gab sowie, daß das Regime die „Volksdeutschen“ nicht als gleichwertige Deutsche betrachtete und behandelte (Dr. Sprungala).

Das Buch hat 117 Seiten auf DIN A 4, gebunden Paperback und kostet 15,- Euro zzgl. 2,40 Euro für Verpackung und Porto. Es sollte von allen gelesen werden, die wissen wollen, was sich im Posener Land während der NS-Zeit von 1939-1945 wirklich abgespielt hat.

Bestellung bei:
Deutscher Geschichtsverein (DGV) des Posener Landes e.V
Horst Eckert
Am Pathsberg 23
29549 Bad Bevensen
Tel.: (05821) 76 66



Historisches Ortsverzeichnis für die Provinz Posen

Eine Rezension von Dr. Martin Sprungala

Das „Historische Ortsverzeichnis der Provinz Posen und der Wojewodschaft Poznan (Posen)“ umfaßt alle Orte der Provinz Posen: Städte, Dörfer, Gutsbezirke und Wohnplätze. Basis für das Erstellen war das Gemeindeverzeichnis der Volkszählungen von 1905 bzw. 1910. Aufgeführt sind: Art des Ortes, deutscher Name von 1910, Kreiszugehörigkeit, der heutige polnische Name, der frühere Name, die Namen aus der NS-Zeit von 1939 ff. Manche Orte hatten im Lauf der Zeit mehr als 5 Namen, so daß das 287 Seiten starke Werk – in DIN A 4 – mehr als 16.000 Ortsnamen mit gegenseitigen Hinweisen aufweist. Angegeben sind auch – soweit vorhanden gewesen – die Einwohnerzahlen bei Städten aufgegliedert nach Deutschen, Polen und Juden, zudem, wann sie das Stadtrecht erhielten. Bei vielen Orten ist ergänzt, wann sie urkundlich das erste Mal erwähnt wurden, als Hauländereien neu gegründet, oder ob die „Ansiedlungskommission“ diesen Ort angelegt hat – soweit dies deutschsprachige Fundstellen hergaben. Die Einleitung zu diesem Buch ist dreisprachig: die englische Übersetzung stammt von Leonhard v. Kalckreuth, die polnische von dem wissenschaftlichen Bibliothekar der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, Benhard Kwoka. Sechs Karten sind dem Buch beigefügt, die die administrative Ordnung des Posener Landes in der Zeit vor 1793, nach 1793 in südpreußischer Zeit, als Provinz Posen bis 1887 und ab 1887, als Teil des Warthegaus und als Wojewodschaft Wielkopolska seit 1999 aufzeigen.

Das Buch hat 287 Seiten, einen festen Einband und den sehr günstigen Preis von nur 29,50 Euro zzgl. 4,70 Euro für Verpackung und Porto.
Herausgeber: Deutscher Geschichtsverein (DGV) des Posener Landes e.V..

Bestellung bei:
Deutscher Geschichtsverein (DGV) des Posener Landes e.V
Horst Eckert
Am Pathsberg 23
29549 Bad Bevensen
Tel.: (05821) 76 66


„Die Geschichte der Posener Kreise“

Eine Empfehlung von Dr. Martin Sprungala

Der Deutsche Geschichtsverein (DGV) des Posener Landes begann im Jahr 2001 mit der Veröffentlichung seiner Geschichtsbeilage in den Posener Stimmen, den „Posener Blättern zu Geschichte, Kultur und Zeitgeschehen in der ehemaligen Provinz Posen“ und stellt seither in jeder Ausgabe eine kleine Geschichte der einzelnen Kreise der Provinz Posen vor. Der vorliegende Band soll dieses Thema in einer Gesamtausgabe darstellen und vertiefen. Es wird ein Abriß der lokalen Geschichte der Kreise dargestellt, der bis 1920 reicht, in Teilen auch bis 1945, sofern es die zur Verfügung stehenden Quellen zuließen. Auch die Verwaltungsgeschichte wird in den einzelnen Kreisgeschichten angerissen und durch eine Liste der Landräte ergänzt. Ein Verwaltungskompendium aus dem Jahre 1975 wurde dabei durch weitere, neuere Literatur z.T. erheblich ergänzt. Neben den Landräten dient das Buch auch als Nachschlagewerk für die gewählten Repräsentanten der Kreise im Preußischen Abgeordnetenhaus und im Deutschen Reichstag. Auch die Ober- und Regierungspräsidenten bis hin zu den Wojewoden – bis zum heutigen Tage – sind natürlich abgedruckt. Zu jedem Abschnitt findet der Leser zur weiteren Vertiefung einige Literaturangaben.
Ergänzt werden die Kreisgeschichten durch eine allgemeine Einführung in die Geschichte und im Anhang durch eine Zeittafel zur Geschichte der Region. Damit die Geschichte nicht 1920 bzw. 1945 abbricht, findet der Leser im Anhang eine Liste der seit 1999 wieder bestehenden Kreise der Wojewodschaft Wielkopolska mit ihren heutigen Namen, den dazugehörigen Gemeinden, Größe, Einwohnerzahl und Besiedlungsdichte, und dem Namen des aktuellen Starosten (Landrats). Auch die heute zu anderen Wojewodschaften gehörenden Kreise sind aufgeführt. Im Anhang befindet sich weiterhin eine Liste der Verleihungen von deutschen Stadtrechten an Orte in den mittelalterlichen Wojewodschaften Großpolen (Wielkopolska), Kujawien. Lentschütz und Schieratz. Ebenso eine Liste der im Posener Land stationierten preußischen Regimenter. Das Buch „Die Geschichte der Posener Kreise“ wurde in Zusammenarbeit mit den Posener Heimatkreisen erstellt und ist über den DGV erhältlich.

Das Buch kostet 15,80 Euro und ist zu beziehen über:
Horst Eckert
Am Pathsberg 23
29549 Bad Bevensen
Tel.: (05821) 76 66



Die Geschichte des Kirchlichen Suchdienstes„Die Geschichte des Kirchlichen Suchdienstes“

Not sehen und handeln – nach diesem Motto haben Caritas und Diakonie bereits 1945 in einer außergewöhnlichen gemeinsamen Aktion christlicher Nächstenliebe einen Hilfsdienst ins Leben gerufen, der auch über sechs Jahrzehnte nach Kriegsende seine wichtige Arbeit leistet.
1946 bildeten sie eine Suchdienst-Arbeitsgemeinschaft mit den Verbänden des Roten Kreuzes. Schon bald einigte man sich darauf, die Nachforschung nach Wehrmachtsangehörigen dem Roten Kreuz und die Suchdienstarbeit für Zivilpersonen, insbesondere der Heimatvertriebenen, den kirchlichen Verbänden zu übertragen.
Dabei wurden die ursprünglichen sogenannten Meldeköpfe, in denen die Flüchtlinge registriert wurden, in Ortskarteien umgewandelt. So entstanden ab 1947 die Heimatortskarteien (HOK) in der Trägerschaft der kirchlichen Wohlfahrtsverbände. Von ursprünglich mehr als 30 Karteien blieben nach Übernahme der Finanzierung durch den Bund im Jahre 1950 noch 12 Heimatortskarteien übrig. Die Geschäftsführung wurde der Hauptvertretung München des Deutschen Caritasverbandes übertragen. Heute, nach Einführung der elektronischen Fallbearbeitung, bestehen noch die beiden HOK-Zentren in Stuttgart und Passau.
In der „Geschichte des Kirchlichen Suchdienstes“ wird die Entwicklung der Heimatortskarteien von ihrer Entstehung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute in anschaulicher Weise dargestellt.
Geschildert werden auch die politische Entwicklung vor und während des Zweiten Weltkrieges, die Umsiedlungsmaßnahmen während die Krieges und die Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den ehemals deutschen Ostprovinzen und Siedlungsgebieten in Osteuropa.
Die Geschichte des Kirchlichen Suchdienstes mit einem Umfang von 300 Seiten liest sich wie ein spannender Geschichtsroman und dürfte bei älteren Lesern viele Erinnerungen an ihr eigenes Erleben hervorrufen. Für Jüngere ist sie ein lebendiges Geschichts-Lehrbuch.

Das Buch ist gegen eine Schutzgebühr von 10,- Euro zu beziehen über:
Kirchlicher Suchdienst
Geschäftsstelle
Lessingstraße 3 - 80336 München
Tel.: (089) 544 97 201
Fax: (089) 544 97 207
E-Mail:ksd@kirchlicher-suchdienst.de



Vertreibung und deutsch-polnische GeschichteVertreibung und deutsch-polnische Geschichte
Jan M. Piskorski


Eine Rezension von Götz Urban


Der polnische Historiker Jan M. Piskorski hat unter dem Titel „Vertreibung und deutsch-polnische Geschichte“ (dt. Übersetzung) eine Streitschrift veröffentlicht.
Der 1956 in Stettin geborene Piskorski ist Professor für Vergleichende Geschichte Europas an der Universität Stettin, Co-Vizepräsident der Deutsch-Polnischen Schulbuchkonferenz der UNESCO, ferner Mitglied des Wissenschaftlichen Rates des Deutschen Historischen Instituts Warschau.
Seine Kompetenz für die deutsch-polnischen Beziehungen rührt auch von seinem Studienjahr in Göttingen und von Gastprofessuren an den Universitäten Mainz und Halle her.

Bei der Vorstellung des Buches in DIE ZEIT wurde Piskorski neben gewissen kritischen Bemerkungen attestiert, daß er offen von Vertreibung spreche und Verständnis für das Interesse der „aus dem alten Ostdeutschland stammenden Heimwehtouristen“ habe. Dem Charakter einer „Streitschrift“ gemäß, die ohne polemischen Unterton nicht auskommt, nimmt Piskorski das Recht zu teils einseitiger Betrachtung und zu dezidierten Urteilen in Anspruch.
Dabei attackiert er nicht nur wie seit eh und je in Polen üblich Vertriebenenfunktionäre und besonders Frau Steinbach, sondern er hält auch seinen Landsleuten nicht immer gern gehörte Wahrheiten vor: einerseits stellt er die absurde Behauptung auf, der BdV sei bereit, die deutsch-polnischen und die deutsch-tschechischen Beziehungen „über den Haufen zu werfen“, andererseits fordert er die Polen dazu auf, sich vor jeglicher Panik in bezug auf die Deutschen zu hüten, denn die deutsche Demokratie stehe auf sicherem Fundament.

Entschieden wendet er sich auch gegen die Äußerung eines Kollegen, den Deutschen gezieme keine Trauer: das Recht auf Trauer (um die Verluste) gelte für Deutsche ganz besonders! Es sei nicht eine Frage des „ob“, sondern des „wie“. Eine unbequeme Frage für Polen sei, warum auch deutsche NS-Gegner vertrieben wurden. Für Piskorski beginnen die Massenumsiedlungen des 2. Weltkrieges schon 1938 mit der Ausweisung von 20.000 Juden mit polnischem Paß durch deutsche Behörden (unter ihnen Marcel Reich-Ranicki als 18jähriger Abiturient). Es folgten die Deportationen von Polen aus dem sowjetisch besetzten Ostpolen nach Sibirien und Kasachstan im Herbst 1939 und die Zwangsumsiedlungen ins Generalgouvernement.

Über mehrere Seiten versucht er in diesem Zusammenhang die Begriffe Aussiedlung, Umsiedlung, Vertreibung, Deportation, ethnische Säuberung hinsichtlich ihrer semantischen Unterschiede zu klären – dabei kann ihm nur ein Kenner der polnischen Sprache folgen.
Bei Kriegsende hätten die noch lebenden Juden die Rote Armee verständlicherweise als Befreier begrüßt, eine Empfindung, die diejenigen Polen nicht teilten, die sich in jüdischen Häusern eingerichtet hatten. Zudem sei die Vernichtung von Millionen Juden auf polnischem Territorium von vielen Polen gar nicht wahrgenommen worden. Auch hier also die in Deutschland so gern gestellte Frage nach dem, was man hätte wissen müssen.

Laut Piskorski war die polnische Exilregierung in London gegen eine Verschiebung Polens an Oder und Neiße: der Premier wollte weder Stettin, noch Breslau, noch 8-10 Millionen Deutsche! Ihm lag offenbar die Vertreibung vieler Millionen aus ihrer angestammten Heimat völlig fern. Piskorski staunt über die freundschaftlichen Kontakte
älterer Vertriebener zu den neuen Bewohnern west- und nordpolnischer Gebiete. Er geht sogar so weit, diese deutschen Heimatvertriebenen als „Schatz“ zu bezeichnen, um den man sich kümmern müsse, und er betont diese Empfindung an anderer Stelle erneut.

Keinerlei Verständnis bringt er leider für das geplante Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin auf: warum sollen deutsche Opfer besonders geehrt werden, fragt er. Darauf ist zu erwidern, daß es um trauerndes Gedenken, nicht um eine Form der Ehrung geht.
Piskorski möchte statt eines Zentrums ein Museum eingerichtet sehen und fügt den vielen in der Debatte schon genannten Lokalitäten wie Breslau, Genf, Straßburg noch Danzig hinzu mit der Begründung, dort hätten polnische Schriftsteller als erste das Schweigen über die Vertreibung der Deutschen gebrochen, und Danzig sei der Ursprungsort der SOLIDARNOSC.
Im Postscriptum für die deutsche Ausgabe findet man dann die erstaunliche Aussage, daß im Rahmen einer bestimmten Konzeption „sicherlich auch Platz für ein Denkmal in Berlin (wäre), das die deutschen Opfer der Vertreibungen und der alliierten Luftangriffe (!) ehren könnte“.
Auch für den Historiker gilt, daß der Mensch von seinen Widersprüchen lebt.

Jan M. Piskorski:
Vertreibung und deutsch-polnische Geschichte,
fibre Verlag, Osnabrück 2005, 180S., € 14,80
2. Aufl. 2007
ISBN 978-3-938400-33-3

Anmerkung d. Red.:
Zeitweilig war der Titel vergriffen - ist jedoch laut Internetseiten des fibre-Verlages 2007 in einer zweiten Auflage erschienen!


Zur Ergänzung und Korrektur:
Thomas Urban:
Der Verlust. Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert,
C.H. Beck, München 2004, 19,90 Euro.



DVD Betsche und TirschtiegelFilme auf DVD über Betsche und
Tirschtiegel


Die beiden DVD-Filme über Betsche und Tirschtiegel, die u. a. während des Heimatkreistreffens 2006 in Paderborn gezeigt wurden, können unter dieser Addresse bestellt werden:

Jurek Sternal
ul. Prof. Z. Szafrana 7/ 47
PL 65-246 Zielona Góra - Polen
Email: jura.s@interia.pl
Sie wurden in Polen hergestellt und kosten jeweils 15,- Euro



Ein Europäer aus Lodz – Erinnerungen
Karl DedeciusEin Europäer aus Lodz – Erinnerungen
Karl Dedecius


Eine Rezension von Jörg Plath


Ein bescheidener Versicherungsangestellter

Wie Karl Dedecius beinahe im Alleingang die polnische Literatur in Deutschland bekannt machte.
Die Suche nach der verlorenen Heimat ist einer der stärksten Antriebe für menschliches Tun. Die polnische Dichterin und spätere Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska hat dieses Motiv bei ihrem deutschen Übersetzer Karl Dedecius erkannt. Irgendwann in den Siebziger oder Achtziger Jahren lädt sie ihn in ihr Auto und fährt vor die Tore Krakaus. Der Ausflug ins Grüne endet vor einem ruinösen Renaissancepalais. Beide steigen aus und gehen hinein in ein muffiges Halbdunkel. Schwerkranke husten, keuchen, stöhnen, die Luft ist stickig. Der Chefärztin des Spitals in der Villa Decius stellt Szymborska ihren Begleiter aus Deutschland als Nachfahren von Justus Decius vor, dem ersten Besitzer der Villa: als „Herrn Karl de Decius“. Der Deutsche kommentiert freundlich distanziert: „Einer von Szymborskas überraschenden Einfällen.“ Die Namensähnlichkeit hat seither viele, polnische wie deutsche Besucher der Villa Decius stutzen lassen. Besucher, nicht Patienten, denn Anfang der Neunziger Jahre wurde das Palais auf Betreiben des Herrn Karl Dedecius renoviert und beherbergt seither eine europäische Kulturakademie. Verwandt sei er nicht mit Decius, dem aus dem Elsaß nach Polen geflohenen Humanisten des 16. Jahrhunderts, schreibt Dedecius in seiner Autobiographie „Ein Europäer aus Lodz“. Er erzählt die diskret-ironische Ehrung durch die Dichterin so, als gelte sie nicht ihm, dem großen Vermittler polnischer Literatur in Deutschland, sondern jemand anderem – und schildert lieber Decius’ Lebensgeschichte, einem hoch dekorierten Vermittler zwischen Polen, Preußen und dem Deutschen Reich. Hier will einer nicht aus dem Schatten treten, und der Leser tut gut daran, zwischen den Zeilen seines Buches zu lesen. Denn die von Szymborska hergestellte Genealogie ist historisch falsch und zugleich voller Wahrheit.

Zerrieben zwischen Hitlers und Stalins Armeen
Karl Dedecius setzt sich in der Bundesrepublik für die polnische Literatur ein, weil er erleben mußte, wie das deutsch-polnische Miteinander in seiner Heimatstadt Lodz durch Hitler zerstört wurde. Der deutschsprachige Pole hat gerade das Abitur bestanden, als die Wehrmacht Polen überrennt. Dedecius flieht vor den Deutschen nach Lemberg und angesichts der Sowjets zurück nach Lodz. Die Wehrmacht zieht ihn ein, die Rote Armee nimmt ihn bei Stalingrad gefangen. Sieben Jahre überlebt er in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern. Erst 1949 kehrt er zurück, arbeitet am Deutschen Theater Institut in Weimar und geht 1952 mit seiner Familie in den Westen, um der Schnüffelei der SED zu entgehen.
Kurz danach tritt er eine Stelle bei der Allianz Versicherung an, wo er in leitender Stellung ein Vierteljahrhundert lang sein Brot verdienen wird. Es ist kaum zu glauben, aber das umfangreiche Lebenswerk unzähliger Übersetzungen und Veranstaltungen, von Dedecius 1980 mit der Gründung des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt und der Herausgabe der 50-bändigen „Polnischen Bibliothek“ gekrönt, entsteht abends und am Wochenende. Eine Zeitlang scheint es, als ob Dedecius auch für die russische Literatur hätte sein können, was er der polnischen wurde. In den sowjetischen Kriegsgefangenenlagern lernte er Russisch und übersetzte Lermontow und Puschkin. Später folgen Majakowski und Jossif Brodskij. Doch dann tritt, unkommentiert von Dedecius, das Russische zurück zugunsten des Polnischen. Hüben wie drüben muß der ungemein produktive Einzelkämpfer gegen Mißtrauen kämpfen. Den einen gilt er als Agent des Imperialismus, zumal er sich auch für Künstler im Exil wie Ceslaw Milosz einsetzt. Den anderen ist an der Aussöhnung mit Polen nicht gelegen. Noch 1980, als das Deutsche Polen-Institut gegründet wird, spricht sein spiritus rector vom Kalten Krieg.

Über die Oder zu den Quellen
Karl Dedecius sucht durch die Literatur den Kontakt zum Menschen. Lieber als die selbstverständlich ebenfalls übersetzten Klassiker sind ihm die lebenden Autoren, die „Quellen“, „wo die Literatur noch aus ‚Fleisch und Blut’“ ist. Im zweiten Teil der Autobiographie schildert er in gelöstem Ton seine Freundschaften und Begegnungen mit Stanislaw Jerzy Lec, dem Aphoristiker, mit Julian Przybos´, Tadeusz Rózewicz, Zbigniew Herbert und Wyslawa Szymborska. Es ist die Generation, die wie ihr deutscher Übersetzer durch die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs geprägt ist. Von der anfangs noch erwähnten Familie und dem Privatleben ist schon lange keine Rede mehr, auch nicht zwischen den Zeilen. Die Memoiren wirken oft etwas spröde, weil Dedecius diplomatisch ist, was die Widerstände in Deutschland und Polen angeht, und allzu bescheiden in der Schilderung seiner Unternehmungen. Seltsamerweise schweigt er sich auch über Heinrich Böll aus, der eine wichtige Anlaufstelle in Deutschland für sowjetische Dissidenten wie das Ehepaar Kopelew und Alexander Solschenizyn war. Mit dem heiligen Hieronymus haben ihn die befreundeten Dichter Zbigniew Herbert und Tadeusz Rózewicz verglichen, und Dedecius selbst nennt das Hieronymuswort „Nur nicht zuviel“ eine seiner Maximen. Eher aber kommt einem der unermüdliche Kirchenvater in den Sinn, wie ihn Antonello da Messina 1456 malte: Hieronymus im Gehäuse, voller Hingabe an die Schrift.

Verlag Suhrkamp, März 2006, 22,80 Euro
ISBN 3-518-41756-8



Schwerin an der Warthe – eine Grenzstadt
Die Geschichte der Stadt bis 1945

Andrzej Kirmiel

Eine Empfehlung von Dr. Ryszard Michalak

Das Buch von Andrzej Kirmiel: „Schwerin an der Warthe – eine Grenzstadt. Die Geschichte der Stadt bis 1945” ist eine bahnbrechende Abhandlung sowohl in der deutschen als auch in der polnischen Geschichtsschreibung.
Es ist nämlich die erste so breite und zugleich synthetische Darstellung der Geschichte der Stadt Schwerin an der Warthe. Der Autor benutzt die Informationen aus deutschen Bearbeitungen und vor allem zahlreiche (meist unbekannte) Quellen aus Deutschland (u. a. die Sammlungen des Museums in Paderborn) und aus Polen (u.a. die Urkunden aus dem Staatlichen Archiv in Gorzów Wielkopolski/ Landsberg an der Warthe). Das Ergebnis seiner Arbeit ist die erste vollständige Monographie der Stadt.

Das Buch besteht aus fünf Kapiteln, in denen die Ereignisse und die Probleme der jeweiligen Epoche dargestellt und erörtert werden. Den Schwerpunkt des Buches bilden jedoch die Volks- und Glaubensverhältnisse unter den Bewohnern Schwerins, denn sie waren die wichtigsten Probleme in der Stadt, die nicht nur an der politischen Grenze, sondern auch an der Grenze der Kulturen lag.
Man muß hervorheben, daß der Autor ein ausgezeichneter Forscher und Schriftsteller ist. Der einzigartige Charakter des Buches, die unschätzbaren Erkenntnis- und Bildungswerte, die interessante Narration, die zahlreichen Bilder sowie der quellenreiche Anhang – das alles trägt dazu bei, daß das Buch jeden Leser zufriedenstellen wird, der sich für die Geschichte Schwerins und des Lebuser Landes interessiert.

Die Region verfügt immerhin über immer reichere wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Literatur, die neue, bisher unbekannte Bereiche entdeckt.
Die Richtung, die einst vom Professoren Michal Szaniecki, dem bahnbrechenden Regionalforscher der Städte des Mittelodergebietes, festgelegt wurde, wird jetzt durch die nachfolgenden Generationen der Historiker fortgesetzt. Kirmiels Buch ist ein sehr gutes Beispiel dafür.
Der Autor richtet sein Buch an „die Schüler der Schweriner Schulen“ und er hofft nur, „daß auch die Erwachsenen es lesen werden.” Nur die Bescheidenheit des Autors erklärt solch einen engen Empfängerkreis. Man kann sich aber kaum vorstellen, daß die Vertreter der örtlichen Intellektuellen es nicht lesen.
Das Buch hat auch einen viel breiteren, überregionalen Charakter. In der Zeit der europäischen Integration werden viele Völker ohne Grenzen nebeneinander leben. Große Bedeutung haben hier gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis, deswegen sind die Erfahrungen der Gesellschaft, die an der Grenze verschiedenen Kulturen lebte, eine gute Lektion.

Andrzej Kirmiel ist davon überzeugt, daß sich die Geschichte Schwerins hervorragend für solch eine Aufgabe eignet:
In Schwerin haben nämlich einst Polen, Deutsche, Juden und sogar Holländer gewohnt. Indem wir die Geschichte der Stadt studieren, können wir viel von ihren ehemaligen Bewohnern lernen. Wir können auch die Fehler vermeiden, die sie einst begangen haben. Unsere Regionalgeschichte ist doch eine Widerspiegelung der allgemeinen, europäischen Geschehnisse, nur in einem kleineren Format.

(ISBN 83-918939-4-4)



Nipter - Alte und neue GeschichteNipter
Alte und neue Geschichte

Waclaw Nycz

Der Autor beginnt sein Buch über die Geschichte Nipters in deutscher Sprache mit den Worten:

„Die geliebteste Stätte auf Erden.
Deine und meine geliebte kleine Heimat.
Hier wurden wir geboren, hier wuchsen wir heran.
Jeder Winkel, jeder Baum, jeder Stein.
Das alles besitzt eine magische Kraft.
Ruft Kindheitserinnerungen hervor.


Dieses reich bebilderte, reizvolle Heimatbuch beschreibt die deutsche und polnische Geschichte des Dorfes. Polnische Familien wollen den ehemals deutschen Bewohnern des Dorfes dieses Buch als Gastgeschenk überreichen.
Es ist ohne Zweifel ein hervorragendes Beispiel für die Aufarbeitung deutsch-polnischer Geschichte
Im deutschen Buchhandel ist es leider noch nicht zu beziehen.
(ISBN 83-88784-47-1)



Entdeckungen östlich der OderEntdeckungen östlich der Oder
Unterwegs zwischen Frankfurt, Skwierzyna und Zary

Jörg Lüderitz

In dem neu aufgelegten Buch von Jörg Lüderitz,
früher unter dem Titel: „Das Sternberger Land entdecken“ werden viele uns vertraute Namen genannt. Auch Birnbaum findet man in dem umfangreichen Register.
Auch heute ist das Gebiet eine Reise wert. In ursprünglicher Landschaft kann man wandern und Boot fahren, durch ausgedehnte Wälder streifen oder mit dem Rad auf idyllischen Straßen von Dorf zu Dorf fahren. Aber auch die Liebhaber von Sehenswürdigkeiten und historischen Ortskernen finden viel Besuchenswertes.
Einen Schwerpunkt der Darstellung bilden die Hinweise für Aktivurlauber. Der Autor gibt zahlreiche Hinweise auf Möglichkeiten zum Reit-, Angel- und Wanderurlaub und Vorschläge für Bootsfahrten und Radtouren. Umfassende Informationen zu Einrichtungen aller Art, ein kleiner Sprachführer, detaillierte reisepraktische Hinweise sowie ein Literaturverzeichnis komplettieren diesen praktischen Reisebegleiter.

2. aktual. Auflage aus dem Trescher Verlag, Berlin, 2005
225 Seiten, zahlreiche Fotos, Übersichts- und Stadtkarten für 9,95 Euro
ISBN 3-89794-082-5

oder durch:
Jörg Lüderitz
Ernst-Thälmann-Str.66
15537 Grünheide
Tel.: (03362) 26 62 2



Unruhstadt und Karge ...Unruhstadt und Karge
von Stefan Petriuk

- eine im Zeitalter der Toleranz entstandene Stadt im Spannungsfeld zwischen Deutschen und Polen
Bis vor ein paar Monaten haben nicht nur die früheren, sondern auch die jetzigen Einwohner die Stadt Kargowa, wie sie heute heißt und die auf halbem Weg zwischen Wolsztyn (Wollstein) und Sulechów (Züllichau) liegt, gemeint, daß man geschichtlich zu diesem Ort eigentlich nichts Besonderes sagen kann.
Der Autor, Stefan Petriuk, der 1949 in Uscie (Neu Tepperbuden), 9 km von Kargowa (Unruhstadt) entfernt, geboren ist, kann inzwischen auf ein umfangreiches Werk zu der Vergangenheit von Unruhstadt/ Karge bzw. Kargowa verweisen.
Auf über 380 Buchseiten (einschließlich einer polnischen Übersetzung) hat er die Geschichte dieses Ortes minutiös aufgeschrieben. Angefangen bei dem Treffen von Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit zwei polnischen Königen in Karge im Jahre 1157 über die ausführliche Geschichte der Familien v. Unruh und Rothe/Richter, bis hin zu der Stadtgründung am 29. September 1655 als einer polnischen Stadt.
Im Buch sind bedeutende Originalurkunden aus den Jahren 1637 (Marktrechte), 1655 (Stadtrechte) und 1661 (Bestätigung der Stadtrechte durch den polnischen König) in Farbe abgebildet.
Der Autor schreibt ausführlich über das Schloß Karge und seine Vergangenheit, über die evangelische, die katholische und die jüdische Gemeinde, ebenso über die deutsche Zeit ab 1795.
Neben der Unruhstädter Schützengilde sind auch der Weinanbau, die Windmühlen, die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, aber auch das Dorf Karge bis 1650 sowie der Garnisonsstandort und der Postort ausführlich beschrieben.
Einen besonderen Platz nimmt der Teil ab Januar 1945 und danach ein. Das Werk ist reich bebildert (über 75 Abbildungen, zusätzlich 8 Seiten in Farbe) und zusammen mit einer Übersetzung ins Polnische als Buch erschienen.

Einband: Hardcover in Farbe, über 380 Seiten auf hochwertigem Papier,
davon 8 Seiten in Farbe und 75 Schwarz-Weiß-Abbildungen.
Preis: 39,- Euro, zuzüglich 4,- Euro Porto.
Buchbestellung bei:
Stefan Petriuk, Neue Straße 3, D-24977 Langballigholz,
Tel.: (04636) 10 96 oder per email: petriuk@t-online.de



Von Birnbaum nach Miedzychód - Bürgergesellschaft und Nationalitätenkampf in Großpolen bis zum 2. Weltkrieg – Dr. Torsten LorenzVon Birnbaum nach Miedzychód
Bürgergesellschaft und Nationalitätenkampf in Großpolen bis zum 2. Weltkrieg – Dr. Torsten Lorenz


Eine Rezension von Stefan Dyroff

„Von Birnbaum nach Miedzychód“ hat Torsten Lorenz seine Dissertation betitelt. Er unternimmt darin jedoch keinesfalls eine Reise, sondern beschreibt, wie die im westlichen Großpolen gelegene Stadt Birnbaum (poln. Miedzychód) und der sie umgebende Landkreis sich im Zeitraum von 1793 bis 1945 gewandelt haben. Er versucht dabei nach eigener Aussage eine mikrohistorische Fallstudie vorzulegen, die den Alltag dreier Nationalitäten betrachtet, ohne den Kontext der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte aus den Augen zu verlieren. Gegenüber dem Großteil der bisherigen deutschen und polnischen Forschung ist sein integrierender Ansatz hervorzuheben, der versucht, die Region nicht durch das Prisma „Nation“ zu erfassen. Er verfolgt damit einen ähnlichen Ansatz wie Matthias Niendorf [1], nur daß sich Lorenz bewußt von diesem dadurch absetzt, daß er mit seiner Untersuchung zeitlich früher einsetzt. Er begründet dies damit, daß sich seiner Meinung nach der Konflikt des deutschen und polnischen Nationalismus bereits um 1850 abzeichnete und spätestens 1871 offensichtlich wurde (S. 22). In diesem Zusammenhang erscheint es nur konsequent, daß Lorenz den Begriff „Nationalitätenkampf“ in den Untertitel seines Buches aufgenommen hat, obwohl die Lektüre einen anderen Eindruck vermittelt: Die städtische Bürgergesellschaft wurde mehrheitlich nicht durch den Nationalitätengegensatz geprägt. Sie verhielt sich in weiten Teilen pragmatisch, da das eigene wirtschaftliche Wohlergehen von einem intakten Nachbarschaftsverhältnis abhing. Auch in der ländlichen Umgebung war das nationale Moment keineswegs dominant. Lorenz’ Ausführungen sind daher ein Beleg dafür, daß mitnichten alle lokalen Entwicklungen analog zu den Erwartungen einer nationalen Meistererzählung verliefen.

Beispielsweise führte selbst der Aufbruch des konfessionellen Gegensatzes zwischen den überwiegend evangelischen Deutschen und den fast ausschließlich katholischen Polen im Kulturkampf nicht automatisch zur nationalen Trennung, was am Beispiel eines polnischen „Staatspfarrers“ sichtbar wird, der anfangs noch von seiner mehrheitlich polnischen Pfarrgemeinde unterstützt wurde (S. 127f). Der Kulturkampf machte dennoch den sich verschärfenden nationalen Konflikt zwischen dem preußisch-deutschen Staat und seinen polnischsprachigen Bürgern vor Ort greifbar und leistete somit einen wesentlichen Beitrag zur Trennung zwischen Deutschen und Polen, was Lorenz’ eingangs erwähnte These teilweise bestätigt. Trotz allem arbeitete der Großteil der polnischsprachigen Bevölkerung weiterhin aktiv in der lokalen Bürgergesellschaft mit, worauf zahlreiche polnische Innungsmitglieder oder auch die Teilnahme des polnischen Handwerkervereins an der Feier des 100. Geburtstags Wilhelms I. im Jahr 1897 verweisen (S. 196). Die Grenzen der Trennung verliefen jedoch nicht immer zwischen deutsch und polnisch, sondern auch zwischen christlich und jüdisch, was in Birnbaum zur vorübergehenden Popularität des antisemitischen Christlich-Sozialen Vereins während der letzten Jahre des 19. Jhs. führte. Die Bürgergesellschaft schaffte es jedoch meist von sich aus, das Ausbrechen offener Konflikte zu verhindern, da dies dem Wohl Aller geschadet hätte. Das Alltagshandeln des Großteils der Bevölkerung wurde daher mehr von wirtschaftlichem Pragmatismus denn von der Verfolgung nationaler Interessen bestimmt.

Dies setzte sich auch nach dem staatlichen Übergang des Gebiets an Polen 1920 fort. Lorenz führt zahlreiche Beispiele auf, die der staatlich propagierten Tendenz einer schnellstmöglichen Repolonisierung entgegenwirkten. Beispielsweise sei hier auf das Antreten einer sich aus Polen und Deutschen zusammensetzenden bürgerlichen Liste zu den Kommunalwahlen 1921 verwiesen (S. 257). Das Miteinander im ländlichen Raum, das noch in den 30er Jahren des 20. Jhs. beträchtliche Ausmaße annahm, stellt eindrucksvoll eine der zahlreichen Abbildungen dar, die zeigt, wie die polnischen Arbeiter des deutschen Guts Muchocin das Erntedankfest in polnischer Nationaltracht feierten (S. 243). Allgemein ist positiv anzumerken, daß zahlreiche Tabellen und Grafiken den Text veranschaulichen. Lediglich das Fehlen einer Karte des Kreises Birnbaum sowie einer Übersichtskarte, die eine Verortung Birnbaums im deutsch-polnischen Kontaktbereich ermöglicht, ist zu bedauern.

Am Ende geht der Autor kurz auf das endgültige Zerbrechen der deutsch-polnisch-jüdischen Nachbarschaft in den Jahren 1939-1945 ein, wobei er für diesen Teil der Geschichte wesentlich weniger Quellen heranzieht als für die Schilderung des Wandels der demographischen und sozioökonomischen Strukturen im vorhergehenden Zeitraum. Dies erscheint jedoch im Hinblick auf die relativ gute Aufarbeitung gerade dieses Zeitraums in der großpolnischen Regionalgeschichtsschreibung legitim. Ansonsten stellen die zahlreich eingesehenen Archivmaterialien sowie die Lokalpresse eine solide Grundlage für die Ausführungen von Lorenz dar, der damit einen überzeugenden Nachweis für den Wert chronologischer und quellenintensiver regionalhistorischer Forschung liefert. Lediglich an einigen Stellen hätte er seine Quellen indes stärker hinterfragen müssen. Gerade sein einleitendes Zitat eines „großpolnischen Landsmanns“, das Lorenz als Beweis dafür sieht, daß für Teile der Bevölkerung Nationalität nicht die führende Kategorie war, könnte man auch anders lesen. Da es aus einem Antrag auf Rücknahme der Option für Deutschland im Jahr 1923 stammt, könnte es sich auch um eine taktische Aussage handeln, um dies zu begründen.

Anmerkung:
[1] Niendorf, Matthias, Minderheiten an der Grenze. Deutsche und Polen in den Kreisen Flatow (Zlotów) und Zempelburg (Sepólno Krajenskie) 1900-1939, Wiesbaden 1997.


Erschienen bei: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag 2005
(Frankfurter Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas Bd. 10),
441 Seiten mit 31 Abbildungen
Preis: 55,- Euro
(ISBN 3-8305-0552-3)



Neumärkisches Panorama ..."Neumärkisches Panorama -
Zwischen Aurith/Urad und Zorndorf/Sarbinowo"

von Jörg Lüderitz

"Gewidmet allen Deutschen und Polen, die während des Zweiten Weltkrieges und danach durch Flucht und Gewalt sowie durch Vertreibung aus der Heimat gelitten haben."

Der Autor sagt gleich zu Beginn, daß es ihm in seinem Werk
nicht um Nostalgie, sondern um Versöhnung und die
gemeinsame Zukunft von Deutschen und Polen in einem
geeinten und freien Europa geht. Er wendet sich
gleichermaßen an Deutsche und Polen, die als Folge
des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat verloren haben und eine neue Heimat begründen mußten.

Die einzelnen Kapitel sind eine Fundgrube an Landes-
und Lokalgeschichte. Sie machen eine alte Kulturlandschaft wieder lebendig, die zur Identität derer gehört, die dort einmal gelebt haben und für die heute dort lebenden Menschen in gleicher Weise identitätsbildend im europäischen Sinne werden kann.
An der deutsch-polnischen Grenze, die in der Europäischen Union nicht mehr trennt, sondern die Menschen miteinander verbinden soll, spürt man deutlicher als anderswo die existenzielle Bedeutung guter Nachbarschaft. Das Land Brandenburg hat es von Anfang an als seine zentrale Aufgabe angesehen, die Grenze für die Menschen durchlässig zu machen und zu einem verbindenden Element zwischen Deutschen und Polen zu gestalten. Dazu leistet der Autor mit diesem Essay-Band einen wertvollen Beitrag.

Erschienen 2004 im
Verlag Bock & Kübler, Erkner bei Berlin
Preis: 14,80 Euro
(ISBN 3-86155-110-1)



Verwandschaft ...Verwandtschaft ohne Wahl

Fünf prämierte Erzählungen des
Deutsche Welle-Literaturpreises 2003,
herausgegeben von Hubert Wohlan, Leiter der
Polnischen Redaktion der Deutschen Welle in Bonn.

Polen am Wendepunkt. Die Weichen für die
nächsten fünf Jahrzehnte wurden gestellt.
Polen ist in die Europäische Union aufgenommen
worden. Was denken die Polen darüber?
Was beschäftigt Autoren, deren Wahrnehmung subtiler
ist als die anderer Menschen?

Das gemeinsame "europäische Haus" ist für die
meisten eine weit entfernte, ein wenig irreale Welt.
Für sehr viele Polen ist "das Nahe" in erster Linie
"das Deutsche".
Es geht um die Schatten der Vergangenheit, die gemeinsame Zukunft in Europa und das Bewahren der Andersartigkeit.

Der Band versammelt in einer zweisprachigen Ausgabe die Erzählungen "Das Zimmer" von Michal Szalonek, "Die Giftfresser" von Zyta Rudzka, "Die Deutschen" von Filip Onichimowski, "Rot und Schwarz II" von Mikolaj Neckar und "Wettervorhersage für das Alter" von Jowita Pienkiewicz, die mit dem Deutsche Welle-Literaturpreis Polen 2003 ausgezeichnet wurden.

Aus dem Polnischen von Friedrich Giese,
zweisprachig deutsch/polnisch.
Fibre Verlag, Osnabrück,
Preis: 14,80 Euro, 183 Seiten.
(ISBN 3-929759-89-6)



Unsere Heimat ... "Unsere Heimat ist uns ein fremdes Land geworden ...".
Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945-1950. Dokumente aus polnischen Archiven.


Band 3: Wojewodschaft Posen
(zu der im betreffenden Zeitraum auch die
Kreise Meseritz und Birnbaum gehörten, d. Red.),
Wojewodschaft Stettin (Hinterpommern).


Herausgegeben von Wlodzimierz Borodziej
und Hans Lemberg.
(Quellen zur Geschichte und Landeskunde
Ostmitteleuropas, Bd. 4/III.).
Marburg 2004, VIII, 701 Seiten, 1 Landkarte.
Preis: 70, - Euro
(ISBN 3-87969-314-5)



Unsere Heimat ..."Bilder aus Ost-Brandenburg" -
Über 370 Fotos vom Leben wie es damals war

Bilder aus Ostbrandenburg
u.a. mit Schwerin/Warthe, Meseritz, Lagow,
Tirschtiegel, Schwiebus, Züllichau ...

370 Fotos,
Dörflers Zeitgeschichte,
Herausgeber Heinz Csallner,
Nebel-Verlag, 91330 Eggolsheim

zu bestellen in jeder Buchhandlung
Preis: 10,95 Euro
(ISBN 3-89555-039-6)



Erinnerungen ...Erinnerungen an die Kriegszeit

in der Provinz Posen 1914 -1920
von Arthur Rhode

Eine Veröffentlichung der
"Kommission für die Geschichte
der Deutschen in Polen e.V.".
(ISBN 3-923371-25-X)


Zu beziehen bei:
Martin-Opitz-Bibliothek
Berliner Platz 5
44623 Herne
Fax: (02323) 16 26 09
e-mail: information.mob@herne.de
Internet: www.martin-opitz-bibliothek.de



Beiträge zu ... Beiträge zu einem Biographischen
Lexikon der Deutschen aus dem Raum
der Provinz Posen.


Nach den 1978-1998 in der Zeitschrift "Der Kulturwart"
von Joachim Heinrich Balde herausgegebenen
"Posener Biographien". Herausgegeben von der
"Kommission für die Geschichte der Deutschen
in Polen e.V." (Sitz Marburg/Lahn) und gefördert vom
Johann Gottfried Herder-Forschungsrat e.V. (Marburg)
und vom Herder-Institut e.V. (Marburg).
(ISBN 3-923371-26-8)

Zu beziehen bei:
Martin-Opitz-Bibliothek
Berliner Platz 5
44623 Herne
Fax: (02323) 16 26 09
e-mail: information.mob@herne.de
Internet: www.martin-opitz-bibliothek.de



Landser "Die Division Brandenburg"
in der Heftreihe "Der Landser" Nr. 2340

von W. Brockdorff.



Ein Bericht über die "Division Brandenburg",
über deren Zielsetzung, Zusammenstellung und
Ausbildung im Regenwurmlager bei Meseritz und über
den militärischen Einsatz der Soldaten, die auch
"Bajadere" genannt wurden.

Das Heft "Der Landser" ist im Zeitschriftenhandel
erhältlich.





Vertreibung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus Polen 1945 bis 1949
von Bernadette Nitschke.

Unter obigem Titel wird jetzt in der 2. Auflage ein Buch erscheinen, das nicht nur in Vertriebenenkreisen zu Recht große Aufmerksamkeit erregt hat. Denn die polnische Professorin an der Universität Grünberg, Bernadette Nitschke, nennt die grauenhaften Vorgänge jenseits von Oder und Neiße nach Ende des Krieges deutlich beim Namen: Es war eine Vertreibung und beileibe keine Umsiedlung oder Auswanderung, wie manche deutsche Politiker das schwere Schicksal von Millionen Ostdeutschen bagatellisieren.

Das Buch von Bernadette Nitschke erscheint im Oldenbourg-Verlag, München, umfaßt 392 Seiten und kostet 24,80- Euro. (ISBN 3-486-56832-9)



KartePolens deutsche Vergangenheit
von Manfred Raether.

Europa kennt nur wenige Regionen mit einer so wechselvollen Geschichte, wie die der Gebiete östlich von Oder und Neiße. Die Geschichte Deutschlands und Polens ist auf das engste miteinander verwoben. Und dieses Zusammentreffen zweier Nationen hat sich während eines Zeitraums von über einem Jahrtausend vollzogen, wobei sich Phasen gegenseitiger Akzeptanz mit Zeiten von Feindlichkeit und Zerrüttung abwechselten. Deutsche spielten eine entscheidende Rolle bei der Erschließung und Besiedlung des weiten Lebensraums zwischen Oder und Memel. Und meist verlief die Gesamtentwicklung hierbei nicht ohne die Einmischung aller unmittelbaren Nachbarn (Österreich, Rußland, Schweden), denn die Regionen an Oder, Weichsel und Memel galten wiederholt als ein begehrtes Objekt territorialer Begierde.

Taschenbuch, 496 Seiten,
Preis: 16,50 Euro zzgl. 1,50 Euro Versand.
Zu bestellen direkt beim Autor unter:
Tel. o. Fax (06187) 99 01 88, Internet: www.raether.de
oder beim Buchhandel (ISBN 3-00-012451-9).



ZwischenlandZwischenland
Europäische Geschichten aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet von Uwe Rada

In Deutschland spricht man vom "Ende der Welt", in Polen vom "Wilden Westen", wenn das Gebiet an Oder und Neiße gemeint ist. Nirgendwo sind sich Deutsche und Polen näher als dort: beim Einkaufen und Tanken, beim Studieren und bei der Arbeit.
Im Grenzgebiet ist vieles in Bewegung gekommen, wenn oft auch alte Vorurteile weiter bestehen. Manchmal haben sich die Verhältnisse sogar umgekehrt: In Vorpommern schaut man voller Erwartungen nach Stettin, in Görlitz hofft man auf Zgorzelec. Was aber wird der Beitritt Polens zur Europäischen Union bringen? Wird das Grenzgebiet wieder in die Mitte rücken oder wird die Entwicklung einfach über die Region hinweggehen?
Uwe Rada hat sich in das Zwischenland zwischen Deutschland und Polen, West und Ost begeben, wo längst etwas Neues entstanden ist: ein grenzüberschreitendes Laboratorium an der Schnittstelle zwischen "altem" und "neuem" Europa. Bei der Beobachtung von Scheitern und Erfolgen der Pioniere und Projekte im Zwischenland zeichnen sich Wege ab, die in die Zukunft weisen.

Erschienen im be.bra-Verlag, Berlin. 256 Seiten.
Preis: ca.19,90 Euro
(ISBN 3-89809-045-0).



ObrawaldeBrandenburgische Heil- und
Pflegestätten in der NS-Zeit

von Dr. Kristina Hübener

Der Fürsorge verheißende Titel täuscht.
Tatsächlich handelt es sich um eine umfassende Beschreibung all dessen, was sich als Folge des am 14.7.1933 erlassenen "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" auch in unserer engeren Heimat, nämlich hinter den Mauern von Obrawalde, an Unmenschlichem ereignete.
Die Zahl der den Euthanasieverbrechen in Obrawalde zum Opfer Gefallenen liegt zwischen 7.000 und 18.000, genau wird sie sich nie mehr ermitteln lassen.

Erschienen in der Schriftenreihe zur Medizin-Geschichte des Landes Brandenburg im be.bra-Verlag, Berlin. 480 Seiten.
Preis: 29,90 Euro
(ISBN 3-89809-301-8).



Ansichten aus TirschtiegelTirschtiegel in alten Ansichten
- eine einzigartige Sammlung alter Ansichten einer kleinen Grenzstadt an der Obra in der Provinz Posen, der späteren Grenzmark im ehemaligen Deutschen Osten. Erstellt von Norbert Diering.

Der Bildband ist zu erhalten bei:
Antje Diering
Birkenweg 43
15827 Blankenfelde
Tel.: 03379 - 37 11 05
Der Preis beträgt:
15,- EURO - Portokosten sind zusätzlich.



Buch Emma NeumannEmma Neumann
Mundartdichterin und -erzählerin im Westposener Land, der späteren Grenzmark - einem Sprachraum zwischen Schlesien, Pommern und Brandenburg. Wie das "Ostpreußische" und "Schlesische", so droht auch diese Mundart verloren zu gehen. Der kleine Band mit 82 Seiten enthält neben Gedichten und Erzählungen eine Worterklärung.

Erhältlich bei:
Thea Schmidt
Freiheitsstr. 26 a
53842 Troisdorf
Tel.: 02241 - 45 0 20
Der Preis beträgt:
5,- EURO - Portokosten sind zusätzlich.