Das 8. Heimatreffen der Meseritzer und
Birnbaumer in Perleberg in der Prignitz
vom 15.5. – 16.5.2015


Text:
Dr. Martin Sprungala,
Historiker M.A.-
Fotos: Dietrich Radomski,
Joachim Schmidt, Wojtek Derwich


Auch in diesem Jahr stand wieder ein Heimattreffen der Meseritzer und Birnbaumer an und dieses Mal ging es wieder nach Perleberg in die Prignitz. Wie bereits vor zwei Jahren holte mich der Vorsitzende Leonhard v. Kalckreuth bereits auf Christi Himmelfahrt ab.
In diesem Jahr hatte er vorab bereits die Ehrenvorsitzende Gretel Lehmann aus Düsseldorf abgeholt und gemeinsam fuhren wir dann in seinem neuen Wagen durch Dortmund, über den Borsigplatz, den die beiden Fußballfans gerne sehen wollten und der bereits für das Pokalfinale geschmückt war.
In Dortmund-Eving ging es dann auf die Autobahn A 2 gen Norden. Seit Tagen hatten wir kühles Wetter, aber es war – so auch heute früh – sonnig. Je weiter nach Norden wir kamen, desto mehr Wolken zogen auf. Aber es blieb trocken. Gegen 19 Uhr erreichten wir den Neuen Hennigshof in Perleberg. Schon von weitem konnten wir die ersten bekannten Gesichter entdecken und Schwester Brigitte Baller, Irmgard Gotzmann- Fietz und Dieter Radomski begrüssten uns freudig. Dann kamen auch das Ehepaar Schmidt und später Aribert Heinrich und sein Sohn Andreas Heinrich.
Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, ging es zum Abendessen am reichhaltigen Abendbuffet im Speisesaal des Neuen Hennings Hofs. Aus Meseritz angereist waren der Direktor des Regionalmuseums, Andrzej Kirmiel, und Wojtek Derwich. Da der Speisesaal früh schloß wechselten wir in die „Cubar“, die im karibischen Stil eingerichtete Bar, wo wir bis gegen Mitternacht miteinander sprachen und Neuigkeiten aus den vergangenen zwölf Monaten austauschten. Der folgende Morgen war noch nicht verplant, so daß jeder die Zeit gestalten konnte, wie er wollte. Es war ein sonniger Tag, wenn auch kühl, so daß viele ihn zu einem Spaziergang nutzten. Da alles so schön blühte und ich meinen neuen Fotoapparat dabei hatte, ging es auf Fotosafari auf die schönsten Blüten des Frühlings.

Heimattreffen Perleberg 2015Eine Bahnfahrt mit dem „Pollo“ durch die Prignitz
Auch nach bereits vier Besichtigungsfahrten durch die Prignitz konnte uns Herybert Schulz erneut mit etwas besonderem überraschen. Für die nunmehr fünfte Erkundungsfahrt für Vorstand, Beirat und Interessierte hatte er eine Fahrt mit der Prignitzer Kleinbahn ausgewählt.
Von Perleberg aus ging es mit dem Bus nach Nordosten, gen Pritzwalk, nach Groß-Pankow. Wir unkten schon, daß wir nun mit dem „Sonderzug nach Pankow“ fahren würden. Wie indirekt Recht wir damit hatten, zeigte sich später, als wir mit dem kleinen Zug den Endpunkt der Strecke im Dorf Lindenberg erreichten – aber keinen Udo Lindenberg antrafen.

Der Begriff „Sonderzug nach Pankow“ geht auf ein 1983 als Single veröffentlichtes Lied des deutschen Rocksängers Udo Lindenberg zurück. Hintergrund dieses Liedes war der sehnliche Wunsch des Sängers, den er in einem Radiointerview am 5. März 1979 geäußert hatte, auch einmal in der DDR ein Konzert geben zu dürfen, doch der Chefideologe und Kulturverantwortliche der SED, Kurt Hager (1912-1998), war strikt dagegen. Über diese Ablehnung und die jahrelangen vergeblichen Bemühungen war Lindenberg so verärgert, daß er Anfang 1983 dieses Lied verfaßte. Für die Melodie griff er auf den amerikanischen Swing-Klassiker „Chattanooga Choo Choo“, den Glenn Miller (1904-1944) 1941 berühmt gemacht hatte, zurück und verfaßte einen respektlos erscheinenden Text. Dieses Lied beschreibt auch lautmalerisch den Klang einer Dampflok, die von New York City nach Chattanooga in Tennessee (übrigens die Partnerstadt von Hamm in Westfalen) fährt.

Heimattreffen 2015 Pankow als Zielort seines Sonderzuges hatte Lindenberg deshalb ausgewählt, weil dieser Stadtbezirk ein Synonym für den Regierungssitz der sowjetisch besetzten Zone und später der DDR war. Als besondere Respektlosigkeit kann man den russischsprachigen Ausklang des Liedes werten: „Towarischtsch Erich! Meschdu protschim, werchownij sowjet ne imejet nitschewo protiw gastrolej Gospodina Lindenberga w GDR!“ (= „Genosse Erich, im Übrigen hat der Oberste Sowjet nichts gegen ein Gastspiel von Herrn Lindenberg in der DDR!“)
Das Lied wurde in der alten Bundesrepublik ein Hit und war 21 Wochen in der Verkaufshitliste Ein auf andere Weise ähnlicher Erfolg waren die Kleinbahnen der Kreise West- und Ostprignitz. Auch im Posener Land gab es in vielen Kreisen Kleinbahnen, die den Abtransport von landwirtschaftlichen Gütern und Produkten erleichterten und die Wirtschaft belebten. Auch in der Prignitz wurde – neben der Prignitzer Eisenbahn von 1884 – eine Kleinbahn gebaut. Es waren vor allem die Gutsbesitzer, die den Bau vorantrieben. Eigentümer waren die beiden Landkreise, doch die Betriebsführung oblag der Prignitzer Eisenbahn AG.
In den Jahren 1897 bis 1912 entstand ein über 100 Kilometer langes Netz von Kleinbahnlinien in der Prignitz. Die zentrale Werkstatt aller Bahnen befand sich in Perleberg. Ab 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn der DDR die Betriebsführung. Zur Bewältigung der gestiegenen Transportaufgaben setzte sie die verschiedensten Schmalspurbahnen ein, was zur Folge hatte, daß bis Mitte der 60er Jahre die Gleise verschlissen waren.
Da man die hohen Instandhaltungskosten nicht mehr aufbringen konnte, wurde der Bahnbetrieb bis 31.5.1969 weitgehend eingestellt. Die letzte Strecke wurde noch bis 1971 befahren. Die Prignitzer Kleinbahn trägt den Namen „Pollo“, der auf den Namen eines Försterhundes zurückgeht. Als er bei der Einweihung der Bahn das rauchende, lärmende Ungetüm sah, soll er es verbellt haben. Der Förster rief seinen Hund zurück und der Landrat meinte daraufhin, die Leute hätten der neuen Bahn bereits einen Namen gegeben – so die Legende.

Nach der Wende entstand 1993 der Verein Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V., der es sich zum Ziel setzte, die neun Kilometer lange Teilstrecke von Lindenberg über Brünkendorf nach Mesendorf wieder aufzubauen und langfristig für einen Museumsbahnverkehr zu erhalten. Mit großer Mühe konnte der erste Abschnitt der Museumsbahn zwischen Mesendorf und Brünkendorf im Jahr 2002 fertiggestellt werden, die weiteren folgten 2004 und 2007.
Wie beliebt diese Bahn unter Eisenbahnfans ist, konnten wir auf unserer kurzen Fahrt erleben. Überall am Wegesrand und in den Feldern standen Fotografen, z. T. mit Stativ, um die Bahn abzulichten. Unsere Fahrt führte uns von Mesendorf nach Lindenberg zum dortigen Museum, wo uns der Leiter mit Kaffee, Kuchen und Brötchen bewirtete, uns das Museum zeigte und erläuterte, ehe es zurück nach Mesendorf und von dort mit dem Bus zurück nach Perleberg ging. Vor der Abfahrt aus Lindenberg machten wir noch ein Gruppenfoto für den „Heimatgruß“.


Heimattreffen Perleberg 2015
Die Vorstandssitzung
Nach dem gemeinsamen Abendessen trafen sich Vorstand und Beirat um 20.50 Uhr im Saal „London“ zur diesjährigen Vorstandssitzung des Heimatkreises Meseritz e.V. und der Heimatkreisgemeinschaft Birnbaum.
Der Vorsitzende, Leonhard v. Kalckreuth, eröffnete die Sitzung. Nach der Totenehrung führte er aus, welch wertvolle Arbeit der Redakteur des „Heimatgruß“ leistet und daß man ihm nicht genug danken könne. Da der Heimatkreis alle ihm möglichen Würden schon überreicht hätte, bliebe nur noch eine übrig und Herr v. Kalckreuth schlug vor, Joachim Schmidt zum Ehrenmitglied des Heimatkreises zu ernennen. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen und dem zu Ehrenden herzlich gratuliert.

Anschließend trug der Schatzmeister Aribert Heinrich gemäß der Tagesordnung seinen Finanzbericht vor, der wie immer akribisch genau war und bei der Kassenprüfung keine Beanstandung fand. Ebenso wie in den vergangenen Jahren konnte er den Mitgliedern des Heimatkreises eine gute Zahlungsmoral attestieren. Bei den Wenigen, die dies vergaßen hat sich der Vorsitzende persönlich mit einer kleinen Erinnerung gemeldet. Das Aufkommen der Spenden entsprach dem Niveau des Vorjahres, abzüglich natürlich der demographisch bedingten Entwicklung. Doch auch in diesem Jahr wurde deutlich, daß der Heimatkreis seine gute Arbeit auch in naher Zukunft noch leisten kann.
Dietrich Radomski attestierte den positiven Kassenprüfungsbericht und beantragte die Entlastung des Vorstands, die einstimmig gewährt wurde. Im Folgenden berichtete das frisch gebackene Ehrenmitglied Joachim Schmidt über die Entwicklung des „Heimatgrußes“. Wie in den vorherigen Jahren zeigt es sich, daß der „Heimatgruß“ in seiner Qualität, Quantität und Breitenwirkung einmalig ist!

Es wurde auch beraten, welche neuen Akzente man setzen könne und Albrecht Fischer v. Mollard schlug vor, auch Fragen aus dem Gästebuch der Heimatseite im Internet aufzugreifen, sofern diese von allgemeinem Interesse sind. Herr Schmidt berichtete, daß erst kürzlich eine weitere wichtige Aufgabe erledigt worden sei, nämlich der Druck eines Registerbandes des „Heimatgrußes“. Bis zur letzten Ausgabe des Jahres 2014 hat Dr. Sprungala das Register fortgeführt, das nun in gedruckter Form vorliegt und das allgemeine Wohlwollen und Lob der Anwesenden erhielt.
Es kann zum Preis von 18 Euro inkl. Versand bei Thea und Joachim Schmidt in Troisdorf bestellt werden.

Unter dem Punkt „Publizistische Projekte“ berichtete Herr v. Kalckreuth, daß das polnischsprachige Buch des Meseritzer Museumsdirektors Andrzej Kirmiel inzwischen fertiggestellt und präsentiert worden sei.
Der Verkauf in Polen laufe recht gut und Herr Kirmiel halte sogar Lesungen aus seinem Buch in Polen ab. Bei der Buchpräsentation zu dem Werk „Miêdzyrzecz i ziemia miêdzyrzecka. Szkice z przeszlosci“ (Meseritz und das Meseritzer Land. Skizzen aus der Vergangenheit) im Museum Meseritz war Dr. Sprungala anwesend - er war am Vortag zu Beratungsgesprächen mit dem Museum in Glogau / Glogów mit seinen Vorstandskollegen vom Glogauer Heimatbund gewesen und sie besuchten gemeinsam diese Veranstaltung.

Ein gesonderter Bericht über die Veranstaltung wurde von Dr. Sprungala verfaßt. Bei dieser Buchpräsentation war auch der ehemalige Direktor der Martin Opitz-Bibliothek und anerkannte Fachmann für die Literatur der deutsch-polnischen Geschichte, Dr. Wolfgang Kessler, anwesend. Er hat das Buchprojekt von Herrn Kirmiel unterstützt und rezensiert (siehe HGr. 209); ebenso Prof. Dr. Malgorzata Czabañska- Rosada.
Über ein weiteres Buchprojekt berichtete der Vorsitzende. Auch Dr. Kessler ist dabei, eine Bestandsaufnahme des Wissens und der Information über den Altkreis Meseritz – die Kreise Meseritz, Birnbaum und Schwerin – zu verfassen und ist mit seiner Arbeit bereits sehr weit vorangekommen. Von dem Abschluß des Projektes Birnbaum- Lindenstadt konnte der Vorsitzende noch berichten. Dank der guten Zusammenarbeit mit Propst Roman Grocholski konnten inzwischen Halogenstrahler vor den Epitaphien an der Umfassungsmauer der alten Lindenstädter Kirche angebracht werden, so daß diese nun noch besser zur Geltung kommen.

Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Internetpräsenz, die seit Jahren von Dr. Sprungala in Zusammenarbeit mit Edgar Lange auswertet wird. Die Gesamtzahl der Zugriffe ist noch weiter angestiegen, aber erneut ist dies nur bedingt auf den wachsenden Zuspruch zur Internetseite seitens interessierter Leser zurückzuführen, sondern auf die weiterhin wachsende Zahl von Internet- Suchmaschinen, die regelmäßig die Seiten auf Veränderungen untersuchen.
Stetig hoch ist dagegen die abgerufene Datenmenge aus dem Archiv der alten Ausgaben des „Heimatgruß“. Auch der Autor dieses Artikels nutzt die Möglichkeit neben der Papierversion auch eine PDF-Datei auf seinen PC zu laden, da diese eine umfassende schnelle Suchfunktion ermöglicht.
Auch ansonsten entsprach die weitere Auswertung der Zugriffszahlen in etwa den Ergebnissen der Vorjahre. Die 2012 eingeführte Präsenz im sozialen Netzwerk Facebook ist unverändert. Da sie wenig gepflegt und mit interessanten Mitteilungen zum Aufbau einer Gemeinschaft aktualisiert wird, werden kaum neue Kontakte generiert, außer über die wichtigen Vernetzung mit der Internetpräsenz des Heimatkreises; dafür kostet sie auch nichts.
Nach den Beratungen über die Gestaltung des Heimattreffens im Jahr 2016 endete die Vorstandssitzung gegen 23 Uhr. Die meisten gesellten sich anschließend zu den in der „Cubar“ Wartenden, um gemeinsam mit Joachim Schmidt seine Ehrung zusammen mit seiner Frau, die ebenso hohen Anteil an der Arbeit für dem „Heimatgruß“ hat, zu feiern.


Heimattreffen 2015Das Heimattreffen
Am folgenden Tag (16. Mai 2015) konnte der Einlaß erst ab 10.30 Uhr erfolgen, da in diesem Jahr erstmals ein anderes Arrangement getroffen worden war. Statt in der Tennishalle des Neuen Hennings Hofes fand das Treffen im Speisesaal des Hotels statt, da die Räumlichkeiten anderweitig genutzt wurden und die Halle inzwischen auch zu groß und zu teuer für das Heimattreffen ist. Auch dieses Jahr haben Herybert Schulz, früher Politzig, und sein Team hervorragende Arbeit geleistet und alles lief reibungslos ab. Etwa 180 Teilnehmer trafen nach und nach ein. Vor Beginn wandte sich Joachim Schmidt an die Gäste und rief die einzelnen Orte der Kreise Meseritz und Birnbaum auf, damit jeder seinen Heimatfreund aus seinem Ort finden konnte. Anschließend leitete das Bläserensemble die kleine Feierstunde ein.

Heimattreffen 2015Um 11 Uhr eröffnete der Vorsitzende das diesjährige Heimattreffen. Er erinnerte an das Gedenken anläßlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes in Europa und betonte, daß es keine freundliche Umsiedlung war, die sie hierher in die Prignitz brachte, sondern Flucht und Vertreibung. Der DDR-Sprachgebrauch der „Umsiedlung“ war mehr als nur verharmlosend. Inzwischen gibt es die DDR seit 25 Jahren nicht mehr und das Verhältnis zum Nachbarn Polen, zur alten Heimat, hat sich stetig verbessert. In diesem Zusammenhang wies Herr v. Kalckreuth auf das neu erschienene polnischsprachige Buch von A. Kirmiel hin, der heute anwesend sei und neben dem Tisch des „Heimatgrußes“ dieses zum Vorzugspreis für Heimatfreunde anbiete.
Der Vorsitzende begrüsste die Ehrengäste des heutigen Tages: an erster Stelle die Ehrenvorsitzende Gretel Lehmann aus Tirschtiegel, die polnischen Gäste: neben Herrn Kirmiel und seinem Mitarbeiter Wojtek Derwich den Vorsitzenden des Vereins POMOST aus Posen, Tomasz Czabañski und seine Schwester, Prof. Dr. Malgorzata Czabañska-Rosada mit ihren Familien. Besonders herzlich begrüsste er einen Freund des Heimatkreises, ohne dessen Artikel, seine Berichte über die Heimattreffen und Begegnungen in der Heimat man sich den „Heimatgruß“ gar nicht mehr vorstellen könne, so der Vorsitzende. Gemeint war der Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, der Historiker Dr. Martin Sprungala.
Der im Mai vergangenen Jahres neu gewählte Prignitzer Landrat Torsten Uhe ließ herzliche Grüsse ausrichten und wünschte der Veranstaltung ein gutes Gelingen. Im Jahr 2014 war erstmals der Landrat direkt gewählt worden. Der seit 1993 bis zum 31.7.2014 amtierende Landrat Hans Lange (CDU) ist in den Ruhestand getreten. Der parteilose, aber von SPD und Die Linke unterstützte bisherige Vizelandrat T. Uhe wurde bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gewählt, was ein Novum im Land Brandenburg war.

Heimattreffen 2015Danach folgte das Grußwort des Vorsitzenden des Vereins POMOST, Tomasz Czabanski, der dieses wie immer mit einem Tätigkeitsbericht verknüpfte. Es ist seit 2002 eine Tradition geworden, sich bei den Treffen zu begegnen. Nicht nur diese Begegnungen sind inzwischen gut etabliert, sondern auch sein seit 17 Jahren bestehender Verein. Im vergangenen Jahr konnte er über 600 Kriegstote exhumieren, darunter 13 Menschen in Karschin, in der heutigen Gemeinde Kargowa (Unruhstadt), bis 1945 Kreis Züllichau- Schwiebus. Sie waren von einem betrunkenen Sowjetsoldaten ermordet worden. In der Nähe von Politzig und Heidemühle wurde bei Sondierungen ein Schützengraben gefunden, in dem sich ebenfalls noch die Überreste von Menschen befanden. In der schlesischen Stadt Glogau (Glogów), die 1945 zur Festung erklärt worden war, hat der Verein 50 Soldaten exhumiert und bestattet. Ein weiteres Massengrab wurde später hier ebenfalls gefunden, weiterhin eines im nördlich gelegenen Sonnenburg (Sloñsk), das 2015 untersucht wird. Mit Stolz kann der Verein auf Berichte in der BBC und im ZDF hinweisen und eine Berichterstattung in der Ausgabe Nr. 17 des Spiegels vom 18.4.2015 (Die Endlager des Krieges, von Alexander Smoltczyk und Maurice Weiss, S. 49-52). Stolz macht ihn auch die Annahme der Dissertation seines Mitarbeiters Maksymilian Frackowiak an der Adam Mickiewicz-Universität Posen (UAM). Er schreibt in seiner archäologischen Arbeit über die Methoden der Exhumierungen des Vereins. Tomasz Czabañski dankte den Anwesenden mit den Worten: „Ihr habt uns vor 13 Jahren aufgenommen. Ihr habt uns beigebracht, wie man die Heimat lieben soll. Ich danke Euch dafür.“

Heimattreffen 2015Die Totenehrung nahm auch in diesem Jahr Schwester Brigitte Baller vor. Sie entzündete die Kerze mit den Worten: „Wo Licht ist, ist Leben.“ In ihrem Gedenken sprach sie davon, daß Jesus ein Botschafter des Friedens und der Versöhnung ist – und jeder Mensch kann es auch sein, wenn er seinem Beispiel folgt.
Sie gedachte der Verstorbenen in der Heimat, der Toten im Krieg, auf der Flucht und der seit 1945 Verstorbenen aus den Heimatkreisen Meseritz und Birnbaum, sowohl der Deutschen als auch der Polen.

Gemeinsam sprachen alle das Vaterunser. Auch der treue Besucher vieler Meseritzer Heimattreffen, Wojtek Derwich, bat ums Wort. Seit nunmehr zehn Jahren bereits kommt er zu den Heimattreffen, vor allem nach Perleberg. Deutsch lernte er einst bei einer Betriebsbegegnung in der DDR, bei der nur der Wille zum Miteinander-Reden da war, aber die fehlende gemeinsame Sprache die erste große Grenze bildete. Nach und nach erlernte er Deutsch.

Heimattreffen 2015 Auch seine Familie stammt – nachweislich seit Ende des 17. Jahrhunderts – aus Großpolen, aus dem Posener Land. Noch weiter zurück reichen die Wurzeln der Familie v. Kalckreuth.
Im vergangenen Jahr hat der Vorsitzende dem Meseritzer Museum das Indigenat seiner Familie übergeben, die Urkunde – unterschrieben 1676 von König Jan III. Sobieski, in der er der Familie das adelige Bürgerrecht verlieh, zu dem auch das Recht gehörte, jeden künftigen König mitzuwählen (siehe HGr, Nr. 182, September 2007: Vor 400 Jahren: Erstes Auftreten der Familie v. Kalckreuth im Posener Land / Wielkopolska, S. 28-33).
Wojtek dankte Herrn v. Kalckreuth für dieses historisch wertvolle Geschenk, das stets im Meseritzer Regionalmuseum einen Ehrenplatz haben wird und überreichte ihm ein Dankesgeschenk, eine Abschrift und polnische Übersetzung mit weiteren Materialien zum Thema Indigenat.
In seiner Danksagung erklärte der Vorsitzende, daß seine Familie zu diesem Zeitpunkt bereits fast 100 Jahre in Polen gelebt hatte. Der polnische König hatte seine Untertanen, seinen Adel, aufgerufen Soldaten für den Krieg gegen die Osmanen zu stellen und auch die v. Kalckreuth stellten Berittene für die Schlacht bei Chotin am Dnjestr 1673 und die Befreiung Wiens 1683. Mit einem abschließenden Musikstück endete der offizielle Teil, die Feierstunde, und die Zeit der Wiedersehensfreude, der Unterhaltungen und Gespräche folgte.


Heimattreffen 2015Das Heimattreffen wurde von Allen wieder als ein Erfolg gewertet. Nach dem Mittagessen und der Kaffeetafel löste sich die Runde nach und nach auf.


Das nächste Heimatkreistreffen wird am 21. – 22. Mai 2016 in Paderborn stattfinden.