Die Schulchronik der Schule in ScharzigDie Schulchronik der Schule
in Scharzig

Angelegt von dem Lehrer P. Petzelt 1873 –
umfaßt den Zeitraum von 1844 bis 1944


Bis uns vor einigen Tagen die Chronik der Scharziger Schule erreichte, wußten wir vom Heimatdorf Scharzig, das am Seziorka-See und dem Scharziger-See zwischen Betsche und Zielomischel
liegt, sehr wenig:
Nach Scharzig führte nur von Betsche aus eine befestigte Straße. Der größte Bauernhof, das Gut, wurde von Familie Josef Paech bewirtschaftet. Die Gastwirtschaft und das Kolonialwarengeschäft betrieben Roman und Cecilie Zerbe. Die Einwohner waren überwiegend katholisch, das Dorf hatte und hat keine Kirche.
So konnten wir aus dem kleinen Dorf im deutsch-polnischen Grenzland, von dem wir aus der Nachkriegszeit nur 3 Fotos besitzen über das Schicksal seiner ehemals deutschen Bewohner im Heimatgruß kaum etwas berichten. Das ändert sich nun durch den Erhalt der wertvollen Schulchronik der Schule in Scharzig.. Die Chronik umfaßt 155 Seiten in handschriftlichen Texten und hat ein Format von 21 x 33 cm. Sie soll weitestgehend in Fortsetzungen hier und im Heimatgruss veröffentlicht werden. Der Originaltext wird, an die Handschrift der Chronik erinnernd, in kursiv abgebildet.

Abschrift des Originaltextes (Abb. siehe unten):
Die Schule zu Scharzig ist eine katholische Schule und wird von den katholischen Familien der Gemeinden Scharzig und Zielomischel gebildet.
Dieselbe wurde um das Jahre 1844 gegründet und das Schulhaus nebst Stallung nach der Zeichnung der Königlichen Hochlöblichen Regierung zu Posen gebaut, da letztere eine Unterstützung von 100 Reichstaler (Preußische Währung) dazu gab.
Der erste ordentliche Lehrer war Herr Margraf von 1844 bis 1847. Darauf folgte der Lehrer Herr Pnoke von 1847 bis1850 und von 1850 bis 1851 wurde die Schule von dem Lehrer Grafstein verwaltet. In der Vacantszeit des Sommers 1851 wurde die Schule von dem Lehrer Herrn Krolkowski vertretungsweise verwaltet.
Während dieser Vertretung wurde der Schulunterrricht in dem Gemeindehause ertheilt, da der Schwamm in dem Schulhause war und dasselbe massiv unterfangen werden mußte. Darauf folgte im Herbste des Jahres 1851 der Lehrer Herr Robert Papryelic bis zum 1.ten April 1858.
Darauf folgte der Lehrer Paul Petzelt; derselbe machte 1869 die ersten Garten und Weinanlagen. Im Jahre 1861 wurde die offene Küche überwölbt und ein neuer Plattenofen in der Wohnung des Lehrers gesetzt.
Im Jahre 1862 machte der Lehrer Petzelt seine Wiederholungsprüfung und wurde in Folge dessen 1865 definitiv angestellt.
1868 wurde ein Stallanbau an die Scheune gemacht. Der Industrieunterricht wurde 1866 eröffnet. Das Gehalt des Lehrers betrug bis zum Jahr 1868, 45 Reichstaler von wo aus der Lehrer bei Veranlagung des neuen Etats eine Zulage von 8 Reichstalern erhielt.
Im Jahre 1849 erhielt der Lehrer eine Gehaltszulage von 10 Reichstalern; im folgenden Jahre eine Gehaltszulage von 18 Reichstalern, im Jahre 1872 eine Gehaltszulage von 30 Talern und im Jahre 1873 eine persönliche Zulage von 20 Reichstalern aus der Kasse des (?).
Im Jahre 1872 wurde im Herbste ein neuer Brunnen auf dem Schulhofe angelegt. Am 1sten Mai 1874 (?) wurde die hiesige Schule von dem Königlichen Kreis Schulinspektor Herrn Spretille visitiert. Am 15. Februar 1873 durch den Königlichen Kreisschulinspektor Herrn Erfurth visitiert.
gesehen 25.2.77
(unterschrieben)
Erfurth

Die Schulchronik der Schule in Scharzig


Von April 1875 bis Juni 1877 berichtet die Chronik über 8 Visitationen und öffentliche Schulprüfungen auch unter Mitwirkung der Lehrer. Am 15.2.1876 wird von der Königlichen Kreis-Schulinspektion angeordnet, daß der Religionsunterricht in deutscher Sprache zu halten ist, was in gleicher Zeit von der Königlichen hohen Regierung zu Posen bestätigt wurde.

In dichter Folge finden von Februar 1878 bis April 1880 weitere Visitationen durch den Königlichen Kreis-Schulinspektor Herrn Erfurth statt, die dann umbenannt werden in Revidierungen. Im Weiteren werden die Lehrer gebeten, die Prüfungen selbständig und öffentlich abzuhalten.
Im Monat Juni 1879 wurde der Stall auf dem Schulgehöft weggerissen und gleichzeitig die Abtritte (Toiletten) für Knaben und Mädchen besonders eingerichtet.

Ab November 1879 ist der Königliche Kreis Schulinspektor Herr Teklenburg für die Revidierungen in der Schule verantwortlich. In gleicher Zeit feiert Lehrer Petzelt sein 25jähriges Amtsjubiläum und seine silberne Hochzeit, zu der sich 9 Kollegen aus der Umgebung einfanden.

An einer öffentlichen Schulprüfung im April des Jahres 1880 nehmen auf Anweisung der Schulbehörde die Lehrer Weimann aus Stalun, Krolikowski aus Stokki und der Ortsvorstand aus Scharzig teil.
Am 18. Mai des gleichen Jahres wurde die Gegend von einem starken Frost heimgesucht, wodurch der Roggen und andere Früchte sehr litten. Im Sommer 1880 fand bei der hiesigen Schule ein Erweiterungsbau statt, der vom Maurermeister Giesel aus Betsche ausgeführt wurde.
Die Erweiterung bestand in einer zweiten Wohnstube, einer Räucherkammer und eines zweiten Kellers. Die Feuerung wurde ebenfalls neu ausgeführt und da dieselbe lauter russische Röhren bekam, mußte das Strohdach entfernt und durch ein Ziegeldach ersetzt werde. Auf dem Schulhof wurde zudem ein neues Backhaus errichtet. Der Unterricht wurde während des Baues in der Schulscheune erteilt.
Sämtliche Öfen wurden entweder um- oder neugesetzt. Leider stellte sich beim Heizen im Winter heraus, daß der Ofen im Anbau bei Ostwind nicht zu benutzen war, weil sämtlicher Rauch in die Stube kam. Es wurden viele Versuche zur Abhilfe des Übelstandes gemacht, bis jetzt aber ohne den geringsten Erfolg.

Im Jahr 1882 waren zur Prüfung im April die Kollegen aus Betsche und Stalun eingeladen und zugegen. Der Ortsschulvorstand war eingeladen, aber nicht erschienen und zeigte damit, wie wenig Interesse er für die Schule hat.

Die Schulprüfung 1883 fand im April statt und wurde vom Königlichen Kreis Schulinspektor Herrn Teklenburg selbst abgehalten. Als Gäste waren anwesend die Herren Kollegen Paech, Fuhrmannek und Kirscht aus Betsche, Weimann aus Stalun, Krolikowski aus Stokki und Gaettner aus Swiechocin.
Von den Ortsschulvorstehern wie auch von den Familienvätern der beiden Gemeinden Scharzig und Zielomysil war trotz ergangener Einladung niemand erschienen und das zeigt - wie in den vorigen Jahren - wie wenig Interesse sie für die Schule haben.
Bald nach der Prüfung brach unter den Schulkindern eine Scharlach- und Diphtherieepidemie aus, so das im Verlauf der Epidemie im Juni von 64 schulpflichtige Kindern nur noch 20 die Schule besuchten. Am 22. Juni 1883 wurde die Schule durch Verfügung des Landratsamtes geschlossen. Ein regelmäßiger Schulbesuch war erst im September wieder möglich.
Zur Abhilfe des Rauches in dem Anbau, wurde in der zweiten Hälfte des Junis ein neuer Schornstein an den Giebel des alten Hauses gebaut und zwar mit Erfolg.
Im September fand in der hiesigen Gegend in der Nähe unseres Dorfes ein erstes Manöver statt, ein sogenannter Vorposten-Biwak.

Die öffentliche Schulprüfung im April 1884 wurde im Beisein der Kollegen Weimann aus Stalun, Krolckowski aus Stokki und des Ortsschulzen Jesionek vom Lehrer selbst abgehalten. Von den Schulvorstehern und Familienvätern war trotz Einladung wieder niemand erschienen.
Es konnten 5 Kinder offensichtlich erfolgreich entlassen und am 1. Mai 10 Kinder neu aufgenommen werden.
Durch Dienststellenwechsel der Väter kam es in der ersten Jahreshälfte 1884 zum Weggang von 92 Schülern und zum Zuzug von 19 Schülern mit Eltern. Bis ins Schuljahr 1884 - 1885 verlief die schulische Arbeit auch mit ihren problematischen Prüfungen in gewohnter Weise.

Im Schuljahr 1885 - 1886 besuchten bei Beginn des Sommersemesters 65 Schüler den Unterricht - davon (wahrscheinlich war die Mitarbeit im elterlichen Betrieb notwendig) 28 die Hüteschule und 37 die verkürzte Sommerschule.
Während der Herbstferien erhielt die Schule 4 neue Schulbänke und eine neue Schultafel. Der Lehrer erhielt zum Austrocknen seiner Schlafkammer einen eisernen Ofen.
Ende November brachen unter der Schuljugend wieder die Masern aus, so daß von 60 Kindern nur noch 17 die Schule besuchten. Nachdem die Familie des Lehrers auch davon betroffen war, wurde die Schule vom 17. Dezember 1885 bis 7. Januar 1886 geschlossen.
Wegen der noch herrschenden Masern, der strengen Kälte und des schlechten Zustandes der Wege, war der Schulbesuch sehr unregelmäßig und auf 1/3 der Schüler zurückgegangen.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde in der hiesigen Schule vorschriftsmäßig begangen und die Schuljugend mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Von den Mitgliedern der Schulsozität waren der Freigutbesitzer Herr Jesionek von hier anwesend. Die öffentliche Schulprüfung fand am 7. April 1888 statt und wurde vom Königlichen Kreis Schulinspektor Herrn Tecklenburg selbst abgehalten.
Von den Ortsschulvorstehern war der Ortsschulze Johann Zerbe und der Kassenrendant Julius Zerbe anwesend. Als Gast war der Lehrer Herr Weimann aus Stalun erschienen.

Schuljahr 1887/1888
Im Anschluß an das Erntedankfest beging die hiesige Schule mit Genehmigung des Herrn Kreis- Schulinspektors ein Schulfest am 4. September. Nachdem die Schulkinder mit Begeisterung das Schulzimmer ausgeschmückt hatten, wurden dieselben mit Kaffee und Semmeln bewirtet und danach ging es mit Gesang und Musik nach dem Festplatz, im Birkenwäldchen am Stalunerwege. Hier belustigten sich die Schulkinder mit Spiel, Gesang und Tanz, woran Jung und Alt mit Begeisterung teilnahmen.
Von Lehrern war Herr Weimann mit seiner Familie, Herr Paech nebst Frau und Herr Tichmannek ebenfalls mit seiner Frau anwesend. Herr Jesionek stellte nicht nur den Festplatz zur Verfügung, er gab auch noch ein Geschenk von 3 Mark. Der Festjubel dauerte bis spät Abend. Schon während des Aufenthaltes auf dem Festplatz, dann beim Antritt zum Rückmarsch und bei der Ankunft wurden Toaste auf Sr. Majestät und verschiedene andere Behörden und Persönlichkeiten ausgebracht. Einmarschiert wurde mit Beleuchtung. Bei der Entlassung der Schulkinder wurde der einstimmige Wunsch geäußert, sich im kommenden Jahre zu demselben Zeitpunkt wieder zu versammeln.

Am 17. November erhielt die hiesige Schule auf Veranlassung des Herrn Kreis-Schulinspektors Herrn Teklenburg 4 anatomische Wandtafeln. ... Der Schulbesuch im Monate Januar, Februar und März war wegen schlechter Witterung und schlechter Wegen sehr unregelmäßig.

Meseritz, den 9. März 1888
Sr. Majestät, unser Kaiser und König ist nach Gottes Rat und Willen aus dem Leben geschieden. Dem Schmerz des Volkes über den Heimgang eines solchen Herrschers Ausdruck zu geben, ist auch der Schule Pflicht. So lange die Landestrauer währt, ist das in den Schulzimmern befindliche Königsbild an seinem Rande mit schwarzem Band und Schleife zu umgeben. Sofern andere Bestimmung nicht getroffen wird, ist am Tage der Beisetzung der sterblichen Hülle der hochseligen Majestät, welche durch die Zeitung bekannt werden wird, des Morgens von 8 – 9 Uhr in Verbindung mit Gesang und Gebet eine Traueransprache an die versammelten Schulkinder zu richten. Über den Verlauf der Feier ist in der Schul-Chronik unter Abschriftnahme der Verfügung Bericht zu erstatten.
Der Königliche Kreisschulinspektor. gez.Teklenburg

Im Folge der Verfügung legte am 9. III.88, also am Tage der Beisetzung der sterblichen Hülle der hochseligen Majestät die hiesige Schule Trauer an, indem das Kaiserbild für die Dauer der Landestrauer mit Band und Schleifen und frischen grünen Kränzen umgeben wurde. Nach dem üblichen Morgengesang und Gebeten wurde vom Lehrer ein Traueransprach an die Schuljugend gehalten, wodurch die Kinder so tief gerührt wurden, daß ein allgemeines Schluchzen und Weinen ausbrach.
Hierauf wurde das Trauerlied, „Wer ist der Mensch, der sagen kann, ich werde einmal sterben?“ gesungen. Schließlich wurde noch ein Gebet gesprochen und die Kinder noch ermahnt, auch ferner in ihren täglichen Gebeten der dahingeschiedenen Majestät, Wilhelm I. zu gedenken...



1888 – das Dreikaiserjahr
Als Dreikaiserjahr ging das Jahr 1888 in die deutsche Geschichte ein. Auf Wilhelm I., der am 9. März in Berlin starb, folgte sein an Kehlkopfkrebs erkrankter Sohn Friedrich Wilhelm als Friedrich III., der nach 99 Tagen Regentschaft am 15. Juni in Potsdam starb. Ihm folgte am selben Tag sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm, der als Wilhelm II., der den Thron als Deutscher Kaiser und König von Preußen bestieg.Innerhalb von nur 4 Monaten wurde Deutschland somit von drei Herrschergenerationen regiert. Wilhelm I. König von Preußen 1861 - 1888 Deutscher Kaiser 1871-1888 Bruder von Friedrich IV. entnommen: Edition Panorama, Berlin www.panorama-berlin.de Friedrich der III. König von Preußen Deutscher Kaiser 1888 Sohn von Wilhelm I. Wilhelm der II. König von Preußen Deutscher Kaiser 1888 - 1918 Sohn von Friedrich III. 1885 - 1887.

Bevor die Ereignisse des Dreikaiserjahres die Scharziger Schule errreichten, mußte die Schule wegen einer um sich greifenden Scharlach- und Diphterie-Epidemie geschlossen werden. Es wird berichtet, daß von 64 Kindern nur noch 20 die Schule besuchen konnten. Die Schließung erfolgte auf Anweisung der höheren Schulbehörde in Meseritz. Ein Ereignis, das in unserer alten Heimat nicht selten geschah.

1887 / 1888
Mit Beginn des Wintersemesters wird durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Posen in der hiesigen Schule der gesamte Unterricht auf eine rein deutsche Grundlage gestellt. Es fiel demnach nicht nur der polnische Sprachunterricht weg, sondern es wurde auch in sämtlichen Unterrichtsfächern einschließlich des Religionsunterrichtes auf allen Stufen die deutsche Sprache die alleinige Unterrichtssprache...

1888 / 1889
Am 2. Januar verzogen 14 Kinder aus Scharzig, nur ein Kind ist zugezogen. Die Kinderzahl in der Scharziger Schule betrug nun 62 Kinder. Da der Geburtstag Sr. Majestät Wilhelm II. einen Sonntag traf, so wurde er bereits am 26.Januar gefeiert. Einen besonderen Eifer zeigte die hiesige Schuljugend bei der Ausschmückung des Schulzimmers und der drei Kaiserbildnisse. Schon mehrere Tage zuvor wurden Kränze geflochten und das Schulzimmer damit auf das Schönste ausgeschmückt. Die Feierlichkeit begann mit Gesang und Gebet. Darauf hielt der Lehrer eine Ansprache an die Kinder, worin auch der beiden verstorbenen Kaiser gedacht wurde. Dann folgte die Nationalhymne und mehrere andere patriotische Lieder, welche von den Kindern mir wahrer Begeisterung gesungen wurden. Danach wurden die Kinder mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Da die Witterung eine Belustigung im Freien nicht zuließ, so belustigten sich die Kinder in der Schulstube.

1889 / 1890
Am 26. Mai hierorts und in der Umgebung trat ein Hagelschlag auf, der die Ernte hierorts teilweise in den Ortschaften Schilln, Neuschilln, Dreifrei und ein Teil der Betscher Feldmark ganz vernichtete. Es fielen 400g schwere Eisstücke vom Himmel. Die Zahl der in der Schule zu unterrichtenden Kinder steigt im Sommer 1890 auf 82 Schüler. Da die Schule zu klein ist, sämtliche Kinder gleichzeitig zu unterrrichen, wird der Unterricht in drei Stufen abgehalten. Die Stufe eins beginnt um 6 Uhr früh bis 9 Uhr vormittags, die zweite und die dritte Stufe von 10 Uhr bis13 Uhr.

1891 / 1892
Bei der Aufnahme des Haushaltsplanes der hiesigen Schule für die Zeit vom 1. April 1891 bis 31. März 1897 wurden die Naturalien und das Holz für den Lehrer mit Geld abgelöst. Als Holzgeld inclusive Anfuhr und Kleinmachen des Holzes erhält der Lehrer jährlich 120 Mark. Ende April wurde wegen der kostspieligen Umzäunung die Baumschule beim Schullande aufgehoben und die Gemeindebaumschule dem Lehrer als Schulbaumschule übergeben.

1892 / 1893
Der Sommer 1892 war auffallend trocken, infolge dessen eine Mißernte der Sommerfrüchte. Der Winter war sehr streng, die größte Kälte war minus 22°C.

1893 /1894
Die Witterung im Sommer 1893 war trocken und zufolge dessen eine Mißernte der Sommerfrüchte und Futtermangel. Vom 1. Oktober 1893 wurde das Grundgehalt der hiesigen Lehrstelle auf 1000 Mark erhöht, wodurch der Lehrer jährlich einen Zuschuß von 130 Mark erhält.
Die öffentliche Schulprüfung fand am 30. März 1894 statt. Da der Lehrer am 26. März bettlegerisch an der Gelbsucht erkrankt war, so wurde die Prüfung von Schulrat Herrn Tecklenburg selbst abgehalten.
Noch vor der Prüfung wurden 7 vierzehnjährige Kinder entlassen und 2 Knaben gingen nach Dormowo in den Dienst. Es verblieben demnach 78 Kinder.
Der Lehrer war infolge der Krankheit so angegriffen und schwach und so wurde demselben durch Mitteilung des Schulrates Herrn Tecklenburg von der Königlichen Regierung Schonung bis zum 1. Juli erteilt.
Bis zum 18. Mai fiel der Unterricht gänzlich aus. Der Herr Lehrer Zirus aus Stalun war nun beauftragt vom 18. Mai bis zum 1. Juli den Unterricht der hiesigen Schule zu erteilen; wofür er vom Lehrer Petzelt freie Kost und Wohnung erhielt. Den Religionsunterricht erteilte der Lehrer Herr Weimann ebenfalls aus Stalun und erhielt dafür nur eine Renovation von 20 Mark. Daß durch den Ausfall des Unterrichtes die Kinder in den Kenntnissen zurückblieben, ist selbstverständlich. 1895 / 1896 Im Monat Mai schlug der Blitz in die Scheune des Eigentümers Johann Symklak ein und es brannten demselben zwei Scheunen ab. Im Verlaufe des Sommers schaffte die hiesige Gemeinde eine Feuerlöschspritze an.
Die Hitze des Sommers erreichte eine Höhe von 35 bis 38°C im Schatten. Die Roggenernte lieferte weniger Stroh als sonst, aber mehr Körner.

1896 / 1897
Im Monat April zogen 4 Kinder zu und am 1. Mai wurden 15 sechsjährige Kinder aufgenommen. Demnach betrug die Kinderanzahl am 1. Mai 1896 114.

An den Schulgebäuden fanden nur kleinere Ausbesserungen statt. Ende Oktober wurden für den Lehrer und die Knaben neue Aborte gebaut. Wegen herrschender Masern unter den Kindern war die Schule im Monat Februar 3 Wochen geschlossen. Infolge der ansteckenden Grippe im Monat März unter den Schulkindern war der Schulbesuch sehr unregelmäßig.
Am 1. Oktober 1897 trat der Lehrer Albert Bierwagen aus Skrzypno, Kreis Pleschen die hiesige Lehrstelle an. Die Berufungsurkunde ist datiert vom 7. August. Die amtliche Einführung fand gleich am ersten Unterrichtstag nach den Herbstferien, am 18. Oktober durch den Königlichen Kreisschuldirektor Herrn Schulrat Tecklenburg aus Meseritz statt.
Zu Beginn des neuen Schuljahres zählte die Schule 95 Kinder einschließlich der 7 neu aufgenommenen. Von diesen 95 Kindern waren 40 nur deutsch, 4 nur polnisch und 51deutsch und polnisch. Infolge Erkrankung des Lehrers fiel der Unterricht vom 13. bis 31. August aus.
Zu Beginn des neuen Schuljahres am 6. April betrug die Schülerzahl 94.
Das diesjährige Kinderfest wurde am Donnerstag, dem 20. August in üblicher Weise gefeiert. Die Ungunst des Wetters – es regnete bis 4 Uhr nachmittags heftig - hinderte ein größeres Zuströmen auswärtiger Gäste, doch war dafür die Beteiligung seitens der Angehörigen der Kinder umso größer.
Erst bei eintretender Dunkelheit bemerkte der Schreiber dieser Zeilen einige Gäste aus Betsche und Stalun.
Als gegen Ende des Festes der Lehrer auf dem Festplatz die beiden sehr beliebten Kinderfestspiele das Schlaraffenessen und die Wurstangel vorführte, erreichte bei Kindern und Erwachsenen eine geradezu stürmische Heiterkeit ihren Höhepunkt.
Sonst sind für die Schulverhältnisse in Scharzig Ereignisse von größerem Belang im laufenden Jahr nicht zu melden. – Die Schulprüfung wurde am 11. April vom Lehrer selbst und ohne jede Beteiligung seitens des Schulvorstandes und seitens der Eltern gehalten. Entlassen wurden 13 Kinder.

1900 / 1901
Im Klassenbuch stand unter Bemerkungen folgende Notiz eingetragen:
Am 16. Oktober wurde der unterzeichnete Lehrer auf seinen Antrag und Kosten versetzt. gez. Bierwagen

Es trat hierauf eine dreimonatige Vakanz ein, während welcher die Lehrer Volkmer und Stokki die Vertretung hatten. Denselben wurde als Entschädigung für jeden Gang 3 Mark gezahlt.
Durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Posen vom 22. Dezember 1900 wurde der Schreiber dieser, der Lehrer Josef Heymann aus Mylin, Kreis Birnbaum, mit der Verwaltung der Lehrstelle an der hiesigen Schule vom 1. Januar 1901 ab betraut. Geboren wurde derselbe am 13. März 1874 zu Dziembowo, Kreis Kolmar i. P. Seine Ausbildung genoß er in der Präparanden Anstalt zu Rogasen und dem Lehrerseminar zu Exin. Mylin war seine erste Stelle, die der genannte über acht Jahre innehatte.
An seinem neuen Bestimmungsort konnte der Lehrer Heymann jedoch nicht rechtzeitig eintreffen, da derselbe auf der Umzugsreise in der Nähe von Zirke durch Sturz mit dem Rad, auf welchem er die Reise noch zu machen gedachte, einen Unfall erlitt, infolgedessen er 25 Tage im Krankenhaus Zirke zuzubringen gezwungen war.
Die Vertretung wurde dem Lehrer Volkmer- Stokki abermals übertragen. Lehrer Heymann trat seine neue Stelle am 1. Februar 1901 an. Am 4. Februar fand eine amtliche Einführung durch den Königlichen Kreis-Schulinspektor Herrn Fleischer aus Meseritz statt.
Erwähnt sei an dieser Stelle zugleich die Jubiläumsfeier am 18. Januar 1901 zur Erinnerung an die vor 200 Jahren auf dem Krönungsfest zu Königsberg am 18. Januar 1701 erfolgte Erhebung Preußens zum Königreich.

1901 / 1902
Das Schuljahr begann mit einer Schülerzahl von 91 Kindern.
Im Juni dieses Jahres brach unter den Kindern, zunächst in Zielomischel und darauf auch hierorts - höchstwahrscheinlich durch die Schulkinder nach hier verschleppt – eine Scharlachepidemie aus, die alsbald große Unregelmäßigkeiten im Schulbesuch zur Folge hatte. Auf Anordnung des Königlichen Landratsamtes wurde die hiesige Schule auf die Dauer von drei Wochen geschlossen.
Der Krankheit fielen außer mehreren kleinen Kindern auch die Schüler Franz und Anna Mrowka – der Vater Kutscher auf dem Gut in Zielomischel – sowie die bereits 13jährige Tochter des hiesigen Wirtes Philip Furmanek Helene, zum Opfer. Für die Landwirtschaft war das Jahr 1901 ein förmliches Notstandsjahr. Eine Hauptursache stellte ein längerer sehr strenger Barfrost um die Jahreswende 1900/01 dar. Der Roggen, für das Lande eine Hauptfrucht auf dem zumeist leichten
Boden, war hierbei zum größte Teil ausgefroren. Dazu ging über hiesige Gegend am 2. Juni ein schweres Gewitter nieder, von starkem Hagel begleitet. Da machte sich dann so recht die Wohltat der Versicherung geltend. Es wurden Kosten bis zu 800 Mark und darüber an Versicherungssummen für Hagelschlag an hiesige Eigentümer gezahlt. Einer derselben erhielt sogar über 1500 (fünfzehnhundert) Mark ausgezahlt.
Interessant ist es, daß der Wirt, der den zum weitaus größten Schaden erlitten, überhaupt nicht versichert war. Derselbe scheint es für nützlicher zu halten, mit seiner leiblichen Mutter um ein paar Beete, die dieselbe sich bei Übergabe der Wirtschaft – diese ist gegen 200 Morgen groß – vorbehalten hatte, zu prozessieren.
Durch den Hagelschlag hat besonders der Wein im Schulgarten gelitten. Das Blattwerk war zerfetzt und die Spitzen der jungen Reben abgeschlagen oder gebrochen. Ein großer Teil des Weines hatte nicht erst getrieben. Ein Schneesturm hatte zudem das Laub (Weinlaub) und das Spalier, teils morsch und verfault, umgeworfen. Alles Spalier im Garten und am Haus hatten von Grund auf neu errichtet werden müssen. Im Spätherbst noch wurde am Schulgrundstück eine kleine Veränderung bewirkt: Die Vorderfront am Haus und der Teil, der den Hof vom Garten trennt, wurden neu eingezäunt, das Tor erneuert. Das tat dort auch wirklich schon not, denn was sich dort vorher an der Stelle befand. Kostenpunkt: 156,00 Mark, davon 86,00 Mark für Materialien, das übrige für Arbeitslöhne.

1902 / 1903
Da nur 3 Schüler neu aufgenommen wurden, wies die Schüler–Frequenz zu Beginn des neuen Schuljahres 79 Kinder auf.
Im Frühjahr dieses Jahres bepflanzte der Lehrer die Grabenborte des Schulgartenlandes mit einer Reihe Birken und stellte an dieser entlang durch Ausheben des Erdreichs einen Gang her. Aus Anlaß des diesjährigen Kaisermanövers, das in der Umgegend von Meseritz gehalten ward, wurde den Schülern ein schulfreier Tag gewährt, den der Lehrer erteilen durfte, um diesem und den Schülern Gelegenheit zu einem Ausflug ins Manövergelände zu geben.
Für die Landwirtschaft war auch dieses Jahr ein sehr wenig günstiges. Durch späte Maifröste, andauernd feuchte und überhaupt eine außergewöhnlich kühle Witterung während des Sommers hatte die Ernte stark beeinträchtigt, die Erntearbeiten verzögert. – Nach den Herbstferien wurden durch Verfügung der Königlichen Kreisschulinspektion die über 10 Jahre alten Kinder auf 10 Tage, bis zum 6. November einschließlich, für Hilfsleistungen bei den ländlichen Arbeiten beurlaubt.
Es trat ein abermaliger Wechsel in der Schulaufsicht dieses Kreises ein: Der Herr Kreis-Schulinspektor Witt wurde als Stadtschulinspektor nach Breslau versetzt und die Verwaltung der hiesigen Kreisschulinspektion dem Herrn Kreisschulinspektor Richter aus Schmiegel übertragen. Am 1. Dezember fand eine Volkszählung „enormen Umfangs“ statt.

1903 / 1904
Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden neu aufgenommen 4 Knaben und 2 Mädchen. Die Schülerzahl sank auf 69 Kinder herab. Ein furchtbares Schneegestöber, verbunden mit eisiger Kälte, ein Schneesturm wie er seit Menschengedenken um diese Zeit nicht wieder vorgekommen sein dürfte, wütete am 19., 20. und 21. April dieses Jahres. Über Meterhöhe lag stellenweise der Schnee.
Nach Wochen noch konnte man Überreste an geschützten Ste
llen liegen sehen. Der 19. April war ein Sonntag. Am Montag hatten 23, am Dienstag 32 Kinder die Schule besucht. Von überall wurden UnglücksfaÅNlle gemeldet.
Am Donnerstag, dem 23 April fand die Beerdigung des Lehrers Deutschmann aus Swichocin statt. Er war von Betsche aus auf dem Heimweg begriffen, bereits in der Höhe von Swichocin angekommen, dem Sturm zum Opfer gefallen.
Die zum April dieses Jahres erfolgte Neuaufstellung der Schule brachte einige notwendige Änderungen:
Der Betrag für Heizmaterialien wurde von 90 auf 100 Mark erhöht, vor allem aber das Schulland dem Lehrer statt wie bis dahin mit 90 Mark, nun mit 45 Mark angerechnet.(Der Grundsteuereintrag beträgt nur etwa 24 Mark). Zu den Pfingstferien kommt nun für die Zukunft auch der Sonnabend vor dem Pfingstfest als schulfreier Tag hinzu.

1904 / 1905
Zu Beginn des neuen Schuljahres betrug die Schülerzahl 74. Es ist somit wieder ein geringes Steigen der Schüler Frequenz zu verzeichnen, bewirkt zum Teil durch Zuzug. Neu aufgenommen wurden 7 Kinder.
Nach vielen vergeblichen Terminen hat sich der Schulvorstand endlich bereit gefunden, notwendige bauliche Instandsetzungen größeren Umfanges auf dem hiesigen Schulgrundstück zur Ausführung bringen zu lassen. So wurde im Laufe dieses Sommers ein Stall- und ein Abortgebäude neu errichtet, Schulhaus und Scheune umgedeckt, der Boden des Schulhauses zum Teil neu gedielt bzw. ausgebessert, Hof und Garten mit einem neuen Zaun (Lattenzaun) umgeben.
Letzterer erhielt an der Hinterfront, woselbst bis dahin noch keine Umwehrung bestanden, eine solche durch einen Drahtzaun. Der neue Stall ist ein massives Gebäude aus Brandziegeln mit einem Pappdach, das Abortgebäude ganz aus Holz. Die Scheune bekam ein Rohrdach und zum kleinen Teil eine Ziegelwand an der Vorderfront, ebenso an der Hofseite ein neues Tor.
Die Lage der neuen Gebäude gegen die früheren dürfte an nachstehenden (alten) Belegenheitsplan am besten zu vergleichen sein. Die Ausführung der oben aufgeführten Arbeiten lag in den Händen des Bauunternehmers Hieronymus Nortdorf aus Stalun für den Preis von 2450 Mark.
Zu den Kosten hat die Königliche Regierung den Betrag von 1100 Mark beigesteuert, während die Schulgemeinde die Restsumme von 1350 Mark als Anleihe auf Amortisation bei der Königl. Sparkasse in Meseritz aufnahm.
Kleinere Instandsetzungen betreffend: In den Herbstferien wurde in der Wohnung des Lehrers sämtliche Fußböden gestrichen und das Wohnzimmer tapeziert.
Der Eigentümer August Woytke hat das Nutzholz – es wurde im zeitigen Frühjahr 1904 umgemacht – auf seiner Waldparzelle im Hinterwalde auf dem der gräflichen Grenze zunächstliegenden Teile an den Dampfmühlenbesitzer Lehrer Stürmer aus Schilln verkauft. Es wird allgemein angenommen, daß Lehrer Stürmer das Holz „viel zu teuer“ – man spricht von 1300 Talern – bezahlt hätte.

Die Schule zählte zum Schluß des Schuljahres 77 Schüler. Eine Revision durch den Königlichen Schulinspektor Herrn Richter – Meseritz fand am 23. Februar 1905 statt.
Außerdem besuchte genannter Herr die hiesige Schule noch 3. Juni, 8. Juli, 15. Dezember 1904 und 20. März 1905.

Fortsetzung folgt.



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